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Überstunden dokumentieren: Rechtliche Pflichten

Überstunden dokumentieren: Welche Pflichten bestehen und wie Sie Mehrarbeit rechtssicher erfassen. Mit praktischen Tipps.

7 Min. Lesezeit
Dokumentation von Überstunden im Arbeitszeitkonto

Überstunden dokumentieren: Rechtliche Pflichten

Überstunden sind in vielen Berufen Realität. Doch welche Dokumentationspflichten bestehen, wer ist verantwortlich und wie erfassen Sie Mehrarbeit rechtssicher?

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten über 8 Stunden täglich dokumentieren
  • Nach dem BAG-Urteil 2022 gilt die Dokumentationspflicht für alle Arbeitszeiten
  • Überstunden müssen zeitnah und vollständig erfasst werden
  • Die Dokumentation dient dem Nachweis bei Streitigkeiten
  • Verstöße können Bußgelder nach sich ziehen

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Gesetzliche Grundlagen

§ 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz

Die zentrale Vorschrift:

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Satz 1 hinausgehende Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufzuzeichnen.

Das bedeutet:

  • Arbeitszeit über 8 Stunden täglich muss dokumentiert werden
  • Die Pflicht trifft den Arbeitgeber
  • Nachweis muss 2 Jahre aufbewahrt werden

BAG-Urteil vom 13.09.2022

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden:

  • Arbeitgeber müssen ein System zur Arbeitszeiterfassung einrichten
  • Die Pflicht gilt für alle Arbeitszeiten, nicht nur Überstunden
  • Grundlage ist § 3 Abs. 2 Nr. 1 Arbeitsschutzgesetz

Konsequenz: Die Dokumentation von Überstunden ist Teil der allgemeinen Zeiterfassungspflicht.

Mindestlohngesetz

Für Minijobber und bestimmte Branchen:

  • Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer
  • Spätestens nach 7 Tagen
  • 2 Jahre Aufbewahrung

Was muss dokumentiert werden?

Pflichtangaben

AngabeBeschreibungBeispiel
DatumTag der Arbeitsleistung15.01.2026
BeginnUhrzeit Arbeitsbeginn08:00 Uhr
EndeUhrzeit Arbeitsende19:30 Uhr
PausenDauer der Pausenzeit0:45 Stunden
NettoarbeitszeitTatsächliche Arbeitszeit10:45 Stunden

Zusätzlich empfohlen

Für die Überstundenverwaltung:

  • Soll-Arbeitszeit des Tages
  • Differenz (Überstunden)
  • Kumuliertes Überstundenkonto
  • Art des Ausgleichs (geplant)

Für Streitfälle:

  • Grund der Überstunden
  • Anordnung oder Genehmigung
  • Unterschrift oder digitale Bestätigung

Wer ist verantwortlich?

Verantwortung des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber muss:

  • Ein geeignetes System bereitstellen
  • Mitarbeiter zur Nutzung anweisen
  • Vollständigkeit kontrollieren
  • Aufbewahrung sicherstellen

Mitwirkungspflicht der Arbeitnehmer

Arbeitnehmer müssen:

  • Ihre Zeiten korrekt erfassen
  • Fehler zeitnah melden
  • Das System vorschriftsmäßig nutzen

Delegation möglich

Die Erfassung kann delegiert werden:

  • An den Arbeitnehmer selbst
  • An Vorgesetzte
  • An HR-Abteilung

Aber: Die Verantwortung bleibt beim Arbeitgeber.

Tipp

Auch wenn Mitarbeiter selbst erfassen, sollten Sie regelmäßige Stichproben durchführen und die Vollständigkeit prüfen. Die Verantwortung können Sie nicht delegieren.

Methoden der Dokumentation

Zulässige Methoden

Derzeit erlaubt:

  • Elektronische Zeiterfassung (Software, App)
  • Handschriftliche Aufzeichnung
  • Excel-Tabellen
  • Zeiterfassungsterminal

Voraussichtlich ab 2026: Die elektronische Erfassung wird verpflichtend. Ausnahmen für kleine Betriebe sind geplant.

Vor- und Nachteile

MethodeVorteileNachteile
SoftwareAutomatisch, auswertbarKosten
ExcelGünstig, flexibelFehleranfällig, Aufwand
HandschriftlichKeine IT nötigHoher Aufwand, unleserlich
TerminalManipulationssicherInvestitionskosten

Anforderungen an die Methode

Die Dokumentation muss:

  • Vollständig sein (alle Mitarbeiter, alle Tage)
  • Richtig sein (keine Manipulation)
  • Zeitnah erfolgen (möglichst am selben Tag)
  • Nachvollziehbar sein (bei Prüfung)
  • Aufbewahrt werden (2 Jahre)

Besondere Situationen

Überstunden im Homeoffice

Herausforderungen:

  • Keine physische Anwesenheitskontrolle
  • Vertrauen erforderlich
  • Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen

Lösung:

  • Klare Regelungen für Homeoffice-Arbeitszeiten
  • Erfassung per App oder Web-Stempeln
  • Regelmäßige Kommunikation

Außendienst und Reisezeit

Was zählt als Arbeitszeit:

  • Dienstliche Fahrten während der Arbeitszeit: ja
  • Fahrten zwischen Kunden: ja
  • Weg von/zur Arbeit: in der Regel nein
  • Dienstreisen: je nach Vereinbarung

Dokumentation:

  • Beginn und Ende aller Arbeitstätigkeiten
  • Reisezeiten separat erfassen
  • Bei Dienstreisen: Regelung im Arbeitsvertrag prüfen

Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst

Rufbereitschaft:

  • Wartezeit: keine Arbeitszeit
  • Tatsächlicher Einsatz: Arbeitszeit
  • Dokumentation: Nur Einsätze

Bereitschaftsdienst:

  • Gesamte Zeit: in der Regel Arbeitszeit
  • Dokumentation: Vollständig

Vertrauensarbeitszeit

Auch bei Vertrauensarbeitszeit gilt:

  • Dokumentationspflicht besteht
  • Mitarbeiter erfassen selbst
  • Arbeitgeber trägt Verantwortung

Empfehlung: Auch bei Vertrauensarbeitszeit ein einfaches Erfassungssystem nutzen.

Aufbewahrung und Datenschutz

Aufbewahrungsfristen

DatenartFristGrundlage
Überstundennachweise2 Jahre§ 16 ArbZG
Lohnrelevante Unterlagen6 JahreHGB
Steuerrelevante Daten10 JahreAO

Datenschutzanforderungen

DSGVO-konforme Dokumentation:

  • Nur notwendige Daten erfassen
  • Zugriff beschränken
  • Nach Fristablauf löschen
  • Mitarbeiter informieren

Zugriffsrechte

Wer darf was sehen:

  • Mitarbeiter: eigene Daten
  • Vorgesetzte: Daten ihres Teams
  • HR: alle Daten (zweckgebunden)
  • Betriebsrat: anonymisierte Daten

Konsequenzen bei Verstößen

Bußgelder

Nach § 22 ArbZG:

  • Fehlende Dokumentation: bis 15.000 €
  • Wiederholte Verstöße: bis 30.000 €

Beweislast bei Streit

Bei Überstundenstreitigkeiten:

  • Arbeitnehmer muss Überstunden nachweisen
  • Dokumentation dient als Beweismittel
  • Fehlende Dokumentation erschwert Durchsetzung

Prüfungen durch Behörden

Die Gewerbeaufsicht kann:

  • Unterlagen anfordern
  • Vor-Ort-Prüfungen durchführen
  • Bußgelder verhängen

Praxistipps für die Dokumentation

Für Arbeitgeber

Systemauswahl:

  • Einfach zu bedienen
  • Manipulationssicher
  • Auswertbar
  • DSGVO-konform

Prozesse:

  • Klare Richtlinie erstellen
  • Mitarbeiter schulen
  • Regelmäßig kontrollieren
  • Fristen überwachen

Für Arbeitnehmer

Eigene Dokumentation:

  • Zusätzlich selbst erfassen
  • Bei Streit als Nachweis
  • Auch ohne Arbeitgeberanordnung

Bei Problemen:

  • Fehlende Erfassung melden
  • Korrekturen einfordern
  • Dokumentation aufbewahren

Hinweis

Führen Sie parallel zur offiziellen Zeiterfassung eine eigene Dokumentation. Bei Streitigkeiten haben Sie so einen zusätzlichen Nachweis Ihrer Arbeitszeiten.

Muster für Überstundendokumentation

Einfache Tabelle

Datum | Beginn | Ende | Pause | Arbeitszeit | Soll | Überstunden
------|--------|------|-------|-------------|------|------------
15.01 | 08:00  | 19:30| 0:45  | 10:45       | 8:00 | +2:45
16.01 | 08:30  | 17:00| 0:30  | 8:00        | 8:00 | 0:00
17.01 | 07:45  | 18:30| 0:45  | 10:00       | 8:00 | +2:00

Erweitertes Formular

Zusätzliche Felder:

  • Grund für Überstunden
  • Genehmigung durch (Name)
  • Geplanter Ausgleich (Freizeit/Bezahlung)
  • Unterschrift Mitarbeiter
  • Unterschrift Vorgesetzter

Häufige Fragen zur Überstundendokumentation

Ja, als Arbeitgeber müssen Sie alle Arbeitszeiten dokumentieren, auch freiwillige Überstunden. Ob diese vergütet werden, ist eine andere Frage – aber die Dokumentationspflicht besteht unabhängig davon.
Die Erfassung ja, die Verantwortung nein. Sie können Mitarbeiter anweisen, ihre Zeiten selbst zu erfassen, aber Sie bleiben für die Vollständigkeit und Richtigkeit verantwortlich. Kontrollieren Sie regelmäßig.
Bei Behördenprüfungen drohen Bußgelder bis 15.000 €. Bei Streitigkeiten mit Mitarbeitern fehlt Ihnen ein wichtiges Beweismittel. Und Sie verstoßen gegen Ihre gesetzlichen Pflichten.
Beginn, Ende und Pausen sollten minutengenau erfasst werden. Auf- oder Abrundung auf Viertelstunden ist in der Praxis üblich und wird akzeptiert, sollte aber konsequent und fair angewendet werden.

Fazit

Die Dokumentation von Überstunden ist seit dem BAG-Urteil 2022 Teil der allgemeinen Zeiterfassungspflicht. Arbeitgeber sollten ein zuverlässiges System einrichten, Mitarbeiter schulen und die Vollständigkeit kontrollieren. Eine sorgfältige Dokumentation schützt beide Seiten bei Streitigkeiten.

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