Minijob Zeiterfassung: Pflichten und Ausnahmen
Bei Minijobs gelten besondere Dokumentationspflichten. Die korrekte Zeiterfassung schützt Arbeitgeber vor Bußgeldern und Minijobber vor Überschreitung der Verdienstgrenze.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Minijobs gilt die verschärfte Dokumentationspflicht nach MiLoG
- Beginn, Ende und Dauer müssen innerhalb von 7 Tagen erfasst werden
- Die 556-Euro-Grenze muss durch Zeiterfassung kontrollierbar sein
- Aufbewahrungspflicht beträgt 2 Jahre
- Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 30.000 Euro
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Was ist ein Minijob?
Definition und Grenzen
Ein Minijob (geringfügige Beschäftigung) liegt vor bei:
Verdienstgrenze:
- Maximal 556 Euro pro Monat (Stand 2026)
- Jährlich maximal 6.672 Euro
- Dynamische Anpassung an Mindestlohn
Stundenberechnung bei Mindestlohn:
- Bei 12,82 € Mindestlohn (Stand 2026)
- Maximal ca. 43 Stunden pro Monat
- Ca. 10 Stunden pro Woche
Kurzfristige Beschäftigung
Alternativ gibt es die kurzfristige Beschäftigung:
- Maximal 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr
- Keine Verdienstgrenze
- Nicht berufsmäßig
Dokumentationspflicht: Gilt bei beiden Formen.
Dokumentationspflicht bei Minijobs
Gesetzliche Grundlage
Das Mindestlohngesetz (MiLoG) schreibt vor:
Der Arbeitgeber hat Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen und diese Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre aufzubewahren.
Welche Minijobs sind betroffen?
Dokumentationspflicht gilt für:
| Beschäftigungsart | Pflicht |
|---|---|
| Minijob bis 556 € | Ja, immer |
| Kurzfristige Beschäftigung | Ja, immer |
| Werkstudent (falls geringfügig) | Ja |
| Rentner mit Minijob | Ja |
| Schüler mit Minijob | Ja |
Anforderungen an die Dokumentation
Was muss dokumentiert werden?
- Beginn der täglichen Arbeitszeit
- Ende der täglichen Arbeitszeit
- Dauer der täglichen Arbeitszeit
Frist:
- Spätestens 7 Tage nach Erbringung
- Am besten täglich erfassen
Aufbewahrung:
- Mindestens 2 Jahre
- Für Prüfung verfügbar halten
Die 556-Euro-Grenze einhalten
Warum die Grenze wichtig ist
Bei Überschreitung der Verdienstgrenze:
- Rückwirkende Sozialversicherungspflicht: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen Beiträge nachzahlen
- Kein Minijob mehr: Wird zum sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis
- Steuerliche Konsequenzen: Pauschalversteuerung entfällt
Berechnung der Grenze
Monatliche Betrachtung:
- Regelverdienst × 12 Monate ≤ 6.672 Euro
- Oder: Monatsverdienst ≤ 556 Euro
Schwankungen möglich:
- Einzelne Monate dürfen überschritten werden
- Jahressumme ist entscheidend
- Aber: Regelmäßigkeit muss erkennbar sein
Beispielrechnung:
| Monat | Stunden | Stundenlohn | Verdienst |
|---|---|---|---|
| Januar | 40 | 13,00 € | 520 € |
| Februar | 45 | 13,00 € | 585 € |
| März | 35 | 13,00 € | 455 € |
| Summe Q1 | 1.560 € |
→ Durchschnitt: 520 €/Monat – im Rahmen
Hinweis
Überwachen Sie die Stunden Ihrer Minijobber regelmäßig. Eine gute Zeiterfassung warnt automatisch, wenn sich jemand der Grenze nähert.
Zeiterfassung zur Grenzüberwachung
So hilft die Zeiterfassung:
Automatische Warnungen:
- Bei Annäherung an Stundengrenze
- Bei Annäherung an Verdienstgrenze
- Monatlich und kumuliert
Transparenz für alle:
- Minijobber sieht eigene Stunden
- Arbeitgeber hat Überblick
- Vermeidung von Überraschungen
Kontrollen und Bußgelder
Wer kontrolliert?
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls prüft:
- Einhaltung des Mindestlohns
- Vorliegen der Dokumentation
- Korrektheit der Aufzeichnungen
- Sozialversicherungspflicht
Ablauf einer Kontrolle
Typischer Prüfablauf:
- Unangekündigte Prüfung vor Ort
- Vorlage der Arbeitszeitaufzeichnungen
- Befragung von Mitarbeitern
- Abgleich mit Lohnunterlagen
- Protokoll und ggf. Bußgeldbescheid
Bußgelder bei Verstößen
| Verstoß | Bußgeld |
|---|---|
| Keine Dokumentation | Bis 30.000 € |
| Verspätete Dokumentation | Bis 30.000 € |
| Unvollständige Dokumentation | Bis 30.000 € |
| Fehlende Aufbewahrung | Bis 30.000 € |
Was Prüfer besonders interessiert
Fokus der Kontrollen:
- Minijobs in Branchen mit erhöhtem Risiko
- Gastgewerbe, Bau, Reinigung
- Saisonbetriebe
- Unternehmen mit vielen Minijobs
Praktische Umsetzung
Einfache Zeiterfassung für Minijobs
Option 1: Gemeinsames System
- Minijobber nutzen gleiches System wie Festangestellte
- Integration in Gesamtübersicht
- Einheitliche Prozesse
Option 2: Separates einfaches System
- Spezielle Minijob-Erfassung
- Fokus auf Dokumentationspflicht
- Weniger Funktionen, geringere Kosten
Worauf achten?
Für die Erfassung:
- Tägliche Eingabe ermöglichen
- Nachträgliche Erfassung erlauben (max. 7 Tage)
- Einfache Bedienung für unregelmäßige Nutzer
Für die Auswertung:
- Monatsübersicht der Stunden
- Warnungen bei Grenzannäherung
- Export für Lohnabrechnung
Beispiel-Workflow
Täglicher Ablauf für Minijobber:
- Bei Arbeitsbeginn einstempeln (App/Web)
- Bei Pause ausstempeln (oder automatischer Abzug)
- Bei Arbeitsende ausstempeln
- Fertig – System dokumentiert alles
Monatlicher Ablauf für Arbeitgeber:
- Übersicht aller Minijob-Stunden prüfen
- Grenznähe-Warnungen beachten
- Daten an Lohnabrechnung übergeben
- Bei Bedarf: Stunden für nächsten Monat anpassen
Sonderfälle bei Minijobs
Mehrere Minijobs
Bei mehreren Minijobs eines Arbeitnehmers:
- Verdienste werden zusammengerechnet
- Bei Überschreitung: Alle Minijobs sozialversicherungspflichtig
- Erster Minijob bleibt ggf. frei (neben Hauptjob)
Für Arbeitgeber: Fragen Sie nach weiteren Minijobs!
Minijob neben Hauptbeschäftigung
Regelung:
- Ein Minijob bleibt neben Hauptjob sozialversicherungsfrei
- Weiterer Minijob wird mit Hauptjob zusammengerechnet
- Dokumentationspflicht gilt trotzdem
Schwankender Arbeitsbedarf
Bei unregelmäßigem Einsatz:
- Flexibles Arbeitszeitkonto möglich
- Jahresbetrachtung bei der Grenze
- Dokumentation dennoch für jeden Arbeitstag
Tipps für Arbeitgeber
Kommunikation mit Minijobbern
Informieren Sie über:
- Verdienstgrenze und Konsequenzen
- Pflicht zur korrekten Zeiterfassung
- Meldung weiterer Beschäftigungen
- Zugang zum Zeiterfassungssystem
Arbeitsvertrag gestalten
Im Minijob-Vertrag regeln:
- Regelmäßige Arbeitszeit (Stunden/Monat)
- Stundenlohn
- Pflicht zur Zeiterfassung
- Hinweis auf Verdienstgrenze
Regelmäßige Kontrolle
Monatliche Routine:
- Stunden aller Minijobber prüfen
- Grenzannäherung identifizieren
- Ggf. Stunden für Folgemonat reduzieren
- Dokumentation auf Vollständigkeit prüfen
Häufige Fragen zur Minijob-Zeiterfassung
Fazit
Die Zeiterfassung bei Minijobs ist keine Option, sondern Pflicht. Mit einem einfachen System erfüllen Sie die Dokumentationsanforderungen, überwachen die Verdienstgrenze und sind für Kontrollen gewappnet. Die Investition ist gering, die Risiken bei Verstößen sind erheblich.
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