Zeiterfassung in Kleinbetrieben: Ausnahmen und Regeln
Auch kleine Unternehmen müssen Arbeitszeiten erfassen – aber gelten besondere Regeln? Dieser Artikel klärt, welche Pflichten und Erleichterungen für Kleinbetriebe bestehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zeiterfassungspflicht gilt grundsätzlich auch für Kleinbetriebe
- Mögliche Erleichterungen für Betriebe unter 10 Mitarbeitern werden diskutiert
- Das Arbeitszeitgesetz gilt uneingeschränkt für alle Betriebsgrößen
- Bei Minijobs und Mindestlohn-Branchen bestehen verschärfte Pflichten
- Auch für kleine Unternehmen gibt es praktikable Lösungen
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Gilt die Zeiterfassungspflicht für Kleinbetriebe?
Aktuelle Rechtslage
Nach dem BAG-Urteil vom 13. September 2022 gilt:
Die Pflicht besteht grundsätzlich für alle Arbeitgeber:
- Unabhängig von der Betriebsgröße
- Unabhängig von der Branche
- Sofort und ohne Übergangsfrist
Rechtsgrundlage:
- § 3 Abs. 2 Nr. 1 Arbeitsschutzgesetz
- Europarechtkonforme Auslegung
- EuGH-Urteil als Maßstab
Geplante Erleichterungen
Im geplanten Gesetz werden Erleichterungen diskutiert:
| Betriebsgröße | Diskutierte Erleichterung |
|---|---|
| Unter 10 Mitarbeiter | Vereinfachte Dokumentation |
| 10-50 Mitarbeiter | Längere Übergangsfrist |
| Über 50 Mitarbeiter | Elektronische Pflicht |
Wichtig: Diese Erleichterungen sind noch nicht beschlossen. Bis dahin gilt die volle Pflicht.
Das Arbeitszeitgesetz für Kleinbetriebe
Keine Ausnahmen bei Höchstarbeitszeit
Das Arbeitszeitgesetz gilt ohne Ausnahme:
- Maximal 8 Stunden täglich (48 Stunden wöchentlich)
- Verlängerung auf 10 Stunden nur mit Ausgleich
- Pausen: 30 Minuten bei mehr als 6 Stunden
- Ruhezeit: Mindestens 11 Stunden zwischen Arbeitstagen
Dokumentationspflichten
Auch Kleinbetriebe müssen dokumentieren:
- Arbeitszeiten über 8 Stunden hinaus
- Sonn- und Feiertagsarbeit
- Bei Mindestlohn-Branchen: Komplette Arbeitszeit
Hinweis
Ein Kleinbetrieb im Handwerk, der Minijobber beschäftigt, muss deren Arbeitszeit vollständig dokumentieren – unabhängig von der Betriebsgröße.
Besondere Pflichten für Kleinbetriebe
Mindestlohn-Dokumentation
In bestimmten Branchen gilt die verschärfte Dokumentationspflicht nach MiLoG:
Betroffene Branchen (auch für Kleinbetriebe):
- Baugewerbe
- Gastronomie
- Gebäudereinigung
- Fleischwirtschaft
- Messebau
- Forstwirtschaft
Anforderungen:
- Beginn, Ende und Dauer erfassen
- Innerhalb von 7 Tagen dokumentieren
- 2 Jahre aufbewahren
Minijobber und geringfügig Beschäftigte
Bei Minijobs (556-Euro-Grenze) gilt immer:
| Pflicht | Grund |
|---|---|
| Vollständige Zeiterfassung | Nachweis der 556-Euro-Grenze |
| Dokumentation innerhalb 7 Tagen | Mindestlohngesetz |
| Aufbewahrung 2 Jahre | Prüfung durch Zoll |
Kurzfristig Beschäftigte
Bei kurzfristigen Beschäftigungen:
- Maximal 3 Monate oder 70 Arbeitstage
- Vollständige Dokumentation erforderlich
- Saisonarbeit besonders prüfungsrelevant
Praktische Lösungen für Kleinbetriebe
Option 1: Einfache digitale Lösung
Vorteile einer Software-Lösung:
Für den Inhaber:
- Automatische Auswertungen
- Rechtssichere Dokumentation
- Wenig Zeitaufwand
Für Mitarbeiter:
- Einfache Erfassung per App
- Transparenz über eigene Zeiten
- Urlaubsanträge digital
Kosten:
- Ab ca. 2-3 € pro Mitarbeiter/Monat
- Keine Einrichtungskosten bei Cloud-Lösungen
- Sofort einsatzbereit
Option 2: Vereinfachte manuelle Erfassung
Wenn (noch) erlaubt, Mindestanforderungen:
Stundenzettel:
- Täglicher Eintrag: Beginn, Ende, Pausen
- Unterschrift des Mitarbeiters
- Wöchentliche Kontrolle
- Geordnete Ablage
Excel-Tabelle:
- Strukturierte Vorlage
- Monatliche Zusammenfassung
- Backup-System
- Zugriff für Mitarbeiter
Option 3: Hybridlösung
Kombination verschiedener Methoden:
- Büromitarbeiter: Software-Erfassung
- Außendienst: Mobile App
- Produktionsmitarbeiter: Terminal
- Alle: Zentrale Auswertung
Kosten-Nutzen-Analyse für Kleinbetriebe
Kosten einer digitalen Lösung
Beispielrechnung für 5 Mitarbeiter:
| Posten | Kosten/Monat |
|---|---|
| Software (5 × 3 €) | 15 € |
| Schulung (einmalig) | 0 € (meist inklusive) |
| Hardware | 0 € (Smartphones vorhanden) |
| Gesamt | 15 €/Monat |
Nutzen und Einsparungen
Direkte Einsparungen:
- Zeitersparnis: Ca. 2 Stunden/Monat bei Lohnvorbereitung
- Fehlerreduktion: Weniger Abrechnungsfehler
- Compliance: Vermeidung von Bußgeldern
Indirekte Vorteile:
- Bessere Übersicht über Arbeitszeiten
- Grundlage für Personalplanung
- Nachweis bei Streitigkeiten
ROI-Betrachtung
Bei 5 Mitarbeitern:
- Kosten: 15 €/Monat = 180 €/Jahr
- Zeitersparnis: 24 Stunden/Jahr × 30 € = 720 €
- Nettoersparnis: 540 €/Jahr
Plus: Vermeidung von Bußgeldern (bis 30.000 €)
Typische Fälle aus der Praxis
Fall 1: Handwerksbetrieb mit 3 Mitarbeitern
Situation:
- Inhaber + 2 Gesellen
- Wechselnde Baustellen
- Überstunden in der Saison
Lösung:
- Mobile App für alle
- Erfassung beim Kunden vor Ort
- Automatische Projektzuordnung
- Überstundenkonto transparent
Fall 2: Kleines Café mit Aushilfen
Situation:
- 2 Festangestellte
- 4 Minijobber
- Schichtbetrieb
Lösung:
- Tablet am Tresen als Terminal
- Schichtplanung integriert
- 556-Euro-Grenze im Blick
- Mindestlohn-Dokumentation erfüllt
Fall 3: IT-Freelancer mit Teilzeitkraft
Situation:
- Selbstständiger
- 1 Teilzeit-Assistenz
- Homeoffice
Lösung:
- Web-basierte Zeiterfassung
- Vertrauensarbeitszeit möglich
- Dokumentation trotzdem lückenlos
- Projektzeiten für Kundenabrechnung
Tipps für die Einführung im Kleinbetrieb
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Fragen Sie sich:
- Wie viele Mitarbeiter haben wir?
- Welche Beschäftigungsformen?
- Welche Branchen-Regelungen gelten?
- Wie wird bisher erfasst?
Schritt 2: Anforderungen klären
Definieren Sie:
- Mobile Erfassung nötig?
- Schichtplanung gewünscht?
- Integration mit Buchhaltung?
- Projektzeiterfassung?
Schritt 3: Einfach starten
Empfehlung für Kleinbetriebe:
- Cloud-Lösung wählen: Keine IT-Kenntnisse nötig
- Kostenlos testen: Die meisten Anbieter bieten Testphasen
- Schrittweise einführen: Erst ein Mitarbeiter, dann alle
- Feedback einholen: Anpassungen vornehmen
Tipp
Starten Sie einfach. Eine simple Lösung, die genutzt wird, ist besser als eine komplexe, die niemand versteht.
Häufige Einwände und Antworten
"Das ist zu bürokratisch für uns"
Antwort: Moderne Zeiterfassung ist in Sekunden erledigt. Eine App ist schneller als ein Stundenzettel.
"Das können wir uns nicht leisten"
Antwort: Ab 2-3 € pro Mitarbeiter ist eine professionelle Lösung möglich. Das ist günstiger als das Risiko eines Bußgeldes.
"Wir vertrauen unseren Mitarbeitern"
Antwort: Zeiterfassung ist kein Misstrauen. Sie schützt beide Seiten und dokumentiert geleistete Arbeit fair.
"Bei uns ist das nicht nötig"
Antwort: Die gesetzliche Pflicht gilt unabhängig von Ihrer Einschätzung. Auch kleine Verstöße können geahndet werden.
Häufige Fragen zur Zeiterfassung in Kleinbetrieben
Fazit
Die Zeiterfassungspflicht gilt auch für Kleinbetriebe. Zwar werden Erleichterungen diskutiert, aber selbst wenn diese kommen, überwiegen die Vorteile einer modernen Zeiterfassung: Rechtssicherheit, Zeitersparnis und Transparenz. Die Kosten sind gering, der Nutzen groß. Handeln Sie jetzt.
Zeiterfassung für Kleinbetriebe
MyTimeTracker ist ideal für kleine Unternehmen: Einfach zu bedienen, günstig und sofort einsatzbereit. Keine Einrichtung, keine IT-Kenntnisse nötig.
- Ab 2,49 €/Mitarbeiter
- Sofort startklar
- 14 Tage kostenlos
Zeiterfassung starten
14 Tage kostenlos testen
