Kurzarbeit und Zeiterfassung: Was gilt?
Bei Kurzarbeit ist eine exakte Zeiterfassung besonders wichtig – für das Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit. Welche Dokumentationspflichten gibt es, und wie setzt man sie in der Praxis um?
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Kurzarbeit ist lückenlose Zeiterfassung Pflicht
- Soll- und Ist-Arbeitszeit müssen dokumentiert werden
- Die Differenz ist Basis für das Kurzarbeitergeld (KuG)
- Agentur für Arbeit kann Nachweise prüfen
- Fehlerhafte Dokumentation kann zur Rückforderung führen
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Grundlagen der Kurzarbeit
Was ist Kurzarbeit?
Definition: Vorübergehende Verringerung der Arbeitszeit bei entsprechender Reduzierung des Arbeitsentgelts.
Voraussetzungen:
- Erheblicher Arbeitsausfall
- Wirtschaftliche Gründe oder unabwendbares Ereignis
- Unvermeidbarkeit
- Anzeige bei der Agentur für Arbeit
Kurzarbeitergeld
Leistung der Arbeitsagentur:
- Ausgleich für entgangenes Entgelt
- Ca. 60% des ausgefallenen Nettoentgelts
- 67% bei mindestens einem Kind
Berechnung:
Soll-Entgelt - Ist-Entgelt = Entgeltausfall
KuG = Entgeltausfall × 60% (bzw. 67%)
Warum ist Zeiterfassung bei Kurzarbeit wichtig?
Für das Kurzarbeitergeld
Die Agentur für Arbeit zahlt KuG basierend auf:
- Soll-Arbeitszeit (normale Arbeitszeit)
- Ist-Arbeitszeit (tatsächlich gearbeitete Zeit)
- Differenz = Arbeitsausfall
Ohne korrekte Zeiterfassung:
- Kein Nachweis des Arbeitsausfalls
- Keine oder fehlerhafte KuG-Zahlung
- Rückforderungsrisiko
Für die Prüfung
Agentur für Arbeit prüft:
- Stichprobenartig oder anlassbezogen
- Arbeitszeitnachweise
- Übereinstimmung mit Anträgen
- Bis zu 4 Jahre rückwirkend
Hinweis
Die Zeiterfassung bei Kurzarbeit ist keine Option, sondern Pflicht. Ohne lückenlose Dokumentation riskieren Sie Rückforderungen.
Dokumentationspflichten
Was muss erfasst werden?
Für jeden Mitarbeiter in Kurzarbeit:
| Daten | Beispiel |
|---|---|
| Soll-Arbeitszeit | 8 Stunden/Tag |
| Ist-Arbeitszeit | 4 Stunden/Tag |
| Arbeitsausfall | 4 Stunden/Tag |
| Grund des Ausfalls | Kurzarbeit |
| Abwesenheiten | Urlaub, Krankheit |
Soll-Arbeitszeit
Definition: Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit vor Einführung der Kurzarbeit.
Zu dokumentieren:
- Vertragliche Wochenarbeitszeit
- Tägliche Sollstunden
- Bei Teilzeit: Anteilig
Ist-Arbeitszeit
Definition: Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit während der Kurzarbeit.
Zu dokumentieren:
- Beginn und Ende der Arbeit
- Pausen
- Tatsächlich gearbeitete Stunden
Arbeitsausfall
Berechnung:
Soll-Zeit - Ist-Zeit = Arbeitsausfall durch Kurzarbeit
Beispiel:
- Soll: 8 Stunden
- Ist: 5 Stunden
- Ausfall: 3 Stunden
Besondere Situationen
Urlaub während Kurzarbeit
Urlaubstage:
- Zählen als Soll-Arbeitszeit
- Kein Kurzarbeitergeld für Urlaubstage
- Urlaub muss separat dokumentiert werden
In der Zeiterfassung:
- Abwesenheitsgrund „Urlaub"
- Keine Kurzarbeit an diesem Tag
Krankheit während Kurzarbeit
Wenn der Mitarbeiter krank wird:
- Soll-Zeit nach Kurzarbeit (reduziert)
- Entgeltfortzahlung auf Kurzarbeitsniveau
- Kein KuG, sondern Lohnfortzahlung
In der Zeiterfassung:
- Abwesenheitsgrund „Krankheit"
- Krankheitstage gesondert dokumentieren
Feiertage
An Feiertagen:
- Entgeltfortzahlung nach Feiertagsgesetz
- Auf Basis der Kurzarbeitszeit
- Kein zusätzliches KuG
Überstunden während Kurzarbeit
Grundsätzlich:
- Während Kurzarbeit sollte es keine Überstunden geben
- Widerspricht dem Prinzip des Arbeitsausfalls
- Kann KuG-Anspruch gefährden
Wenn unvermeidbar:
- Genau dokumentieren
- Reduzieren den Arbeitsausfall
- Entsprechend weniger KuG
Zeiterfassungssystem einrichten
Anforderungen
Das System muss können:
- Soll-Zeit pro Mitarbeiter hinterlegen
- Ist-Zeit erfassen
- Differenz berechnen
- Abwesenheiten separat führen
- Berichte für die Agentur erstellen
Praktische Umsetzung
Schritt 1: Stammdaten anpassen
- Soll-Arbeitszeit pro Mitarbeiter
- Beginn der Kurzarbeit
- Prozentuale Reduzierung (wenn einheitlich)
Schritt 2: Tägliche Erfassung
- Mitarbeiter stempeln normal
- System erkennt Kurzarbeit
- Differenz wird berechnet
Schritt 3: Monatliche Auswertung
- Summe Soll-Stunden
- Summe Ist-Stunden
- Summe Ausfallstunden
- Aufschlüsselung nach Gründen
Checkliste Zeiterfassung Kurzarbeit
Täglich: ☐ Arbeitsbeginn erfasst ☐ Arbeitsende erfasst ☐ Pausen dokumentiert
Bei Abwesenheit: ☐ Urlaub korrekt erfasst ☐ Krankheit separat dokumentiert ☐ Feiertage berücksichtigt
Monatlich: ☐ Soll-/Ist-Vergleich erstellt ☐ Ausfallstunden summiert ☐ Daten für KuG-Antrag vorbereitet
Tipp
Führen Sie die Zeiterfassung lückenlos und taggenau. Nachträgliche Rekonstruktion ist aufwändig und fehleranfällig.
KuG-Antrag und Abrechnung
Monatliche Abrechnung
Arbeitgeber berechnet:
- Soll-Entgelt (ohne Kurzarbeit)
- Ist-Entgelt (mit Kurzarbeit)
- Differenz
- KuG (60/67% der Differenz)
Erforderliche Unterlagen
Für die Agentur für Arbeit:
- Abrechnungsliste
- Arbeitszeitnachweise
- Entgeltnachweise
- Nachweis der Soll-Arbeitszeit
Prüfung durch die Agentur
Die Agentur prüft:
- Übereinstimmung Antrag/Nachweis
- Plausibilität der Arbeitszeiten
- Korrekte Berechnung
- Einhaltung der Voraussetzungen
Fehler und Konsequenzen
Häufige Fehler
Bei der Zeiterfassung:
- Lückenhafte Dokumentation
- Falsche Soll-Zeiten
- Überstunden nicht erfasst
- Urlaub/Krankheit nicht getrennt
Bei der Abrechnung:
- Falscher Entgeltausfall berechnet
- Zu viel KuG beantragt
- Fehlende Unterlagen
Konsequenzen
Bei Fehlern:
- Rückforderung des KuG
- Zinsen
- Bußgeld bei Vorsatz
- Strafverfahren bei Betrug
Verjährung und Prüffristen
Prüfungszeitraum:
- Bis zu 4 Jahre nach Bezug
- Bei Verdacht auf Betrug: länger
Sonderfälle
Kurzarbeit Null
Kompletter Arbeitsausfall:
- Soll-Zeit: z.B. 8 Stunden
- Ist-Zeit: 0 Stunden
- Ausfall: 100%
Zeiterfassung:
- Trotzdem dokumentieren
- „Kurzarbeit Null" als Abwesenheit
- Soll-Arbeitszeit bleibt erhalten
Variable Kurzarbeit
Unterschiedliche Reduzierung:
- Mal 50%, mal 25% Kurzarbeit
- Tageweise unterschiedlich
Zeiterfassung:
- Tägliche Ist-Erfassung besonders wichtig
- Soll-Zeit bleibt konstant
- Differenz variiert täglich
Kurzarbeit in einzelnen Abteilungen
Nicht alle Mitarbeiter in Kurzarbeit:
- Separate Erfassung pro Abteilung
- Klare Zuordnung wer betroffen ist
- Unterschiedliche Berichte
Praktische Tipps
Für Arbeitgeber
Vorbereitung:
- Zeiterfassungssystem auf Kurzarbeit vorbereiten
- Mitarbeiter informieren
- Verantwortlichen benennen
- Prüfprozess etablieren
Laufende Kontrolle:
- Wöchentliche Plausibilitätsprüfung
- Monatliche Abrechnung zeitnah
- Unterlagen aufbewahren
- Änderungen dokumentieren
Für Mitarbeiter
Ihre Pflichten:
- Arbeitszeit korrekt erfassen
- Abwesenheiten melden
- Bei Unklarheiten nachfragen
- Nachweise aufbewahren
Häufige Fragen zur Kurzarbeit-Zeiterfassung
Fazit
Bei Kurzarbeit ist die Zeiterfassung doppelt wichtig: Sie dokumentiert den Arbeitsausfall für das Kurzarbeitergeld und weist die tatsächlich geleistete Arbeit nach. Lückenlose, taggenaue Erfassung schützt vor Rückforderungen und erleichtert die Abrechnung. Investieren Sie in ein System, das Kurzarbeit abbilden kann.
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