Homeoffice Zeiterfassung: Pflichten für Arbeitgeber
Homeoffice und Remote Work sind gekommen, um zu bleiben. Doch auch von zu Hause aus gilt: Arbeitszeiten müssen erfasst werden. Dieser Guide zeigt, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zeiterfassungspflicht gilt unabhängig vom Arbeitsort
- Arbeitgeber müssen ein System auch für Homeoffice bereitstellen
- Das Arbeitszeitgesetz gilt vollständig auch im Homeoffice
- Digitale Lösungen ermöglichen ortsunabhängige Erfassung
- Datenschutz und Vertrauen müssen gewahrt bleiben
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Rechtliche Grundlagen im Homeoffice
Zeiterfassungspflicht gilt überall
Das BAG-Urteil von 2022 unterscheidet nicht nach Arbeitsort:
Arbeitgeber sind verpflichtet, ein System zur Erfassung der Arbeitszeit einzuführen.
Das bedeutet:
- Homeoffice ist kein Sonderfall
- Gleiche Pflichten wie im Büro
- System muss von überall nutzbar sein
- Keine Ausnahme für Remote Work
Arbeitszeitgesetz im Homeoffice
Auch zu Hause gelten die Regeln des ArbZG:
| Regelung | Geltung im Homeoffice |
|---|---|
| Max. 8/10 Stunden | Ja, uneingeschränkt |
| Pausenpflicht | Ja, uneingeschränkt |
| 11 Stunden Ruhezeit | Ja, uneingeschränkt |
| Sonntagsruhe | Ja, uneingeschränkt |
| Dokumentation | Ja, uneingeschränkt |
Besonderheiten bei Telearbeit vs. Mobile Arbeit
Es gibt unterschiedliche Begriffe:
Telearbeit (§ 2 Abs. 7 ArbStättV):
- Fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz zu Hause
- Arbeitgeber stellt Ausstattung
- Arbeitsschutzanforderungen gelten voll
Mobile Arbeit:
- Arbeiten von beliebigen Orten
- Flexibler als Telearbeit
- Weniger formale Anforderungen
Für die Zeiterfassung gilt bei beiden: Pflicht zur Dokumentation.
Herausforderungen der Zeiterfassung im Homeoffice
Keine physische Anwesenheit
Im Büro gibt es:
- Stempeluhr/Terminal
- Kollegenbeobachtung
- Räumliche Grenzen
Im Homeoffice fehlt:
- Physische Erfassungspunkte
- Natürliche Kontrolle
- Klare Trennung Arbeit/Privat
Verschwimmende Grenzen
Typische Situationen:
- Kurz E-Mails am Abend checken
- Zwischendurch private Erledigungen
- Arbeit in mehreren Blöcken
- Unterbrechung durch Familie
Vertrauen vs. Kontrolle
Die Spannung im Homeoffice:
Mitarbeiter erwarten:
- Vertrauen in ihre Arbeit
- Keine Überwachung
- Flexible Einteilung
Arbeitgeber benötigen:
- Erfüllung der Dokumentationspflicht
- Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes
- Nachweise bei Prüfungen
Methoden der Zeiterfassung im Homeoffice
Web-basierte Erfassung
Über den Browser erfassen:
Vorteile:
- Von jedem Gerät nutzbar
- Keine Installation nötig
- Einfach zu handhaben
Nachteile:
- Internet erforderlich
- Aktives Einloggen nötig
- Kann vergessen werden
Mobile App
Smartphone-basierte Erfassung:
Vorteile:
- Immer dabei
- Schnelle Erfassung
- Erinnerungsfunktionen
- Auch unterwegs nutzbar
Nachteile:
- App muss installiert werden
- Privates Gerät dienstlich nutzen?
- Akku-/Datenverbrauch
Desktop-Integration
Automatische Erfassung am PC:
Vorteile:
- Wenig manuelle Eingabe
- Erfasst PC-Arbeitszeit
- Keine vergessene Erfassung
Nachteile:
- Nicht-PC-Arbeit nicht erfasst
- Datenschutzfragen
- Installation erforderlich
Manuelle Selbsterfassung
Einfache Eingabe der Zeiten:
Vorteile:
- Volle Kontrolle für Mitarbeiter
- Flexible Eingabe
- Vertrauen signalisiert
Nachteile:
- Aufwand für Mitarbeiter
- Nachträgliche Erfassung fehleranfällig
- Schwerer nachzuprüfen
Tipp
Für Homeoffice hat sich die Kombination aus mobiler App und Web-Zugang bewährt. So können Mitarbeiter flexibel erfassen, ohne an ein Gerät gebunden zu sein.
Best Practices für Homeoffice-Zeiterfassung
Klare Regeln aufstellen
Definieren Sie:
- Was gilt als Arbeitszeit?
- Wie sind Pausen zu nehmen?
- Wie werden Unterbrechungen erfasst?
- Was ist mit Bereitschaft/Erreichbarkeit?
Erfassung vereinfachen
Praktische Tipps:
- Ein-Klick-Erfassung ermöglichen
- Automatische Erinnerungen
- Flexible Nacherfassung
- Verständliche Oberfläche
Vertrauen bewahren
Signalisieren Sie:
- Erfassung dient dem Schutz
- Keine Leistungskontrolle
- Keine Überwachungssoftware
- Fokus auf Ergebnissen
Kommunikation pflegen
Regelmäßig besprechen:
- Funktioniert die Erfassung?
- Gibt es Probleme?
- Stimmt die Work-Life-Balance?
- Werden Grenzen eingehalten?
Arbeitszeitmodelle im Homeoffice
Feste Arbeitszeiten
Auch von zu Hause mit fixen Zeiten:
- Arbeitsbeginn und -ende festgelegt
- Erfassung wie im Büro
- Klare Struktur
- Erreichbarkeit gesichert
Gleitzeit im Homeoffice
Flexible Gestaltung mit Rahmen:
- Kernarbeitszeit definiert
- Gleitzeitrahmen nutzen
- Erfassung pro Tag
- Überstunden auf Konto
Vertrauensarbeitszeit im Homeoffice
Maximale Flexibilität:
- Selbstbestimmte Zeiten
- Selbsterfassung
- Keine Kontrolle
- Ergebnisorientiert
Datenschutz beachten
Grundsätze
Bei der Zeiterfassung im Homeoffice:
- Nur notwendige Daten erfassen
- Keine Standorterfassung ohne Grund
- Keine Überwachungssoftware
- DSGVO-konforme Verarbeitung
Was nicht erlaubt ist
Verboten oder nur mit Einwilligung:
- Aktivitätstracking am PC
- Screenshots oder Bildschirmaufnahmen
- Tastenanschläge zählen
- Webcam-Überwachung
- Permanente GPS-Verfolgung
Was erlaubt ist
Zulässig für Zeiterfassung:
- Beginn und Ende erfassen
- Pausen dokumentieren
- Projektbuchung
- Selbsterfassung durch Mitarbeiter
Praktische Umsetzung
Einführung in 4 Schritten
Schritt 1: System auswählen
- Cloud-basiert für Ortsunabhängigkeit
- App + Web für Flexibilität
- Einfache Bedienung
Schritt 2: Regeln definieren
- Homeoffice-Vereinbarung anpassen
- Zeiterfassungsrichtlinie
- Betriebsrat einbinden
Schritt 3: Mitarbeiter schulen
- Bedienung erklären
- Vorteile betonen
- Fragen klären
Schritt 4: Begleiten und optimieren
- Feedback einholen
- Probleme lösen
- Prozesse verbessern
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu kompliziertes System → Einfachheit vor Funktionsumfang
Fehler 2: Überwachungscharakter → Vertrauen kommunizieren
Fehler 3: Keine klaren Regeln → Richtlinie erstellen
Fehler 4: Fehlende Unterstützung → Support anbieten
Sonderfälle im Homeoffice
Arbeit in mehreren Blöcken
Typisch im Homeoffice:
- Vormittags arbeiten
- Mittags private Zeit
- Nachmittags weiterarbeiten
Erfassung: Jeder Block separat, 11-Stunden-Ruhezeit beachten
Kurze Tätigkeiten abends
E-Mails am Abend:
- Auch kurze Arbeit ist Arbeitszeit
- Unterbricht ggf. die Ruhezeit
- Sensibilisierung nötig
Empfehlung: Klare Absprachen zu Erreichbarkeit
Krankes Kind betreuen
Parallele Betreuung und Arbeit:
- Wenn Arbeit geleistet wird: Arbeitszeit
- Kindkrank-Regelung unabhängig davon
- Realistische Erfassung wichtig
Häufige Fragen zur Homeoffice-Zeiterfassung
Fazit
Zeiterfassung im Homeoffice ist rechtlich genauso erforderlich wie im Büro. Mit digitalen Tools lässt sich die Erfassung unkompliziert umsetzen, ohne in Überwachung zu verfallen. Klare Regeln, einfache Technik und eine Vertrauenskultur sind der Schlüssel zum Erfolg.
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