Dienstplan Gastronomie und Hotel: Rechtssicher planen
Gastronomie und Hotellerie leben von Flexibilität – aber auch von klaren Regeln. Ein guter Dienstplan balanciert betriebliche Anforderungen, Mitarbeiterwünsche und gesetzliche Vorgaben. So gelingt die Planung.
Das Wichtigste in Kürze
- Gastronomie hat Sonderregelungen bei Arbeitszeit und Pausen
- Sonn- und Feiertagsarbeit ist erlaubt, aber mit Ausgleich
- Minijobber haben besondere Dokumentationspflichten
- Vorlaufzeit für Dienstpläne beachten (oft tariflich geregelt)
- Flexibilität durch gute Planung, nicht durch Willkür
Besonderheiten der Branche
Herausforderungen
| Herausforderung | Auswirkung auf Dienstplanung |
|---|---|
| Schwankendes Gästeaufkommen | Flexible Besetzung nötig |
| Abend- und Wochenendarbeit | Ungewöhnliche Arbeitszeiten |
| Saisongeschäft | Wechselnder Personalbedarf |
| Hohe Fluktuation | Häufige Neuplanung |
| Viele Minijobber | Besondere Dokumentation |
Mitarbeiterstruktur
Typisch in Gastronomie/Hotel:
- Festangestellte (Vollzeit, Teilzeit)
- Minijobber (520-€-Basis)
- Saisonkräfte
- Aushilfen/Studenten
- Führungskräfte (oft mit Überstundenpauschale)
Rechtlicher Rahmen
Relevante Regelungen:
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- Mindestlohngesetz (MiLoG)
- Jugendarbeitsschutzgesetz (bei Azubis)
- Tarifverträge (NGG, DEHOGA)
- Mutterschutzgesetz
Hinweis
Gastronomie gehört zu den Branchen mit besonderer MiLoG-Dokumentationspflicht. Alle Arbeitszeiten müssen dokumentiert werden – auch bei Festangestellten.
Arbeitszeitregeln für Gastronomie
Tägliche Arbeitszeit
Grundsatz: Max. 8 Stunden, erweiterbar auf 10 Stunden mit Ausgleich.
Besonderheit Gastronomie: Die Erweiterung auf 10 Stunden ist häufig nötig (Events, Hochzeiten).
Ausgleich: Innerhalb von 6 Monaten (oder 24 Wochen) auf durchschnittlich 8 Stunden.
Ruhezeiten
Grundsatz: 11 Stunden zwischen zwei Schichten.
Gastronomie-Ausnahme (§ 5 Abs. 2 ArbZG): Verkürzung auf 10 Stunden möglich.
Aber: Innerhalb von 4 Wochen muss durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit ausgeglichen werden.
Pausen
| Arbeitszeit | Mindestpause |
|---|---|
| Über 6 Stunden | 30 Minuten |
| Über 9 Stunden | 45 Minuten |
Aufteilung: Pausen können auf 15-Minuten-Blöcke aufgeteilt werden.
Sonn- und Feiertagsarbeit
Erlaubt in Gastronomie: Grundsätzlich ja, da Ausnahme nach § 10 ArbZG.
Aber:
- Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen frei sein
- Ersatzruhetag innerhalb von 2 Wochen
- Feiertagsarbeit: Ersatzruhetag innerhalb von 8 Wochen
Dienstplan erstellen: Schritt für Schritt
1. Bedarf ermitteln
Faktoren:
- Öffnungszeiten
- Erwartetes Gästeaufkommen
- Reservierungen/Events
- Erfahrungswerte (letztes Jahr, letzte Woche)
Beispiel Restaurant:
| Tag | Mittag | Abend | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Mo | 2 Personen | 3 Personen | Ruhetag? |
| Di | 2 Personen | 3 Personen | |
| Mi | 2 Personen | 4 Personen | |
| Do | 3 Personen | 4 Personen | |
| Fr | 3 Personen | 5 Personen | |
| Sa | 4 Personen | 6 Personen | |
| So | 4 Personen | 5 Personen |
2. Verfügbarkeiten prüfen
Abfragen:
- Urlaubswünsche
- Feste Einschränkungen (Studium, Familie)
- Präferenzen (Früh-/Spätschicht)
Berücksichtigen:
- Gesetzliche Einschränkungen (Jugendliche, Schwangere)
- Vertraglich vereinbarte Arbeitszeiten
- Qualifikationen (nicht jeder kann alles)
3. Schichten zuordnen
Prinzipien:
- Fairness (gleichmäßige Verteilung von beliebten/unbeliebten Schichten)
- Qualifikation (Schichtleiter, Küchenchef vorhanden?)
- Ruhezeiten einhalten
- Wochenarbeitszeit beachten
4. Minijobber einplanen
Besonderheiten:
- 520-€-Grenze beachten (bei Mindestlohn: max. ~42 Stunden/Monat)
- Arbeitszeiten genau dokumentieren
- Nicht zu viele Stunden in einer Woche
5. Plan kommunizieren
Vorlaufzeit:
- Mindestens 1 Woche vorher (besser 2)
- Tarifverträge können längere Fristen vorsehen
- Kurzfristige Änderungen nur einvernehmlich
Tipp
Erstellen Sie Rahmendienstpläne für Standardwochen. So müssen Sie nur Abweichungen planen, nicht jede Woche von Null anfangen.
Geteilte Schichten (Split-Shifts)
Was sind geteilte Schichten?
Definition: Arbeit mit einer längeren Unterbrechung am Tag.
Beispiel: 11:00-14:00 Uhr (Mittagsservice) – Pause – 18:00-23:00 Uhr (Abendservice)
Rechtliche Grenzen
Arbeitszeit: Beide Blöcke zusammen max. 10 Stunden Arbeitszeit.
Ruhezeit: Wenn die Unterbrechung >11 Stunden ist, gilt sie als Ruhezeit → neuer Arbeitstag.
Praxis: Geteilte Schichten sind unbeliebt. Nutzen Sie sie sparsam.
Alternative
Besser: Durchgehende Schichten (Mittag oder Abend) und genug Personal für beide.
Minijobber richtig einplanen
Stundenkontingent
Bei 12,82 € Mindestlohn (2026): Max. ca. 40,5 Stunden/Monat.
Verteilung:
- Gleichmäßig: ~10 Stunden/Woche
- Flexibel: Manche Wochen mehr, andere weniger
Dokumentationspflicht
MiLoG §17:
- Beginn, Ende, Dauer der Arbeitszeit
- Spätestens 7 Tage nach Arbeitsleistung
- Aufbewahrung 2 Jahre
Typische Fehler
| Fehler | Konsequenz |
|---|---|
| Grenze überschritten | Sozialversicherungspflicht |
| Keine Dokumentation | Bußgeld bis 30.000 € |
| Mehrere Minijobs | Zusammenrechnung |
Hinweis
Minijobber in der Gastronomie sind besonders prüfungsrelevant. Achten Sie penibel auf Dokumentation und Stundengrenze.
Jugendliche und Azubis
Arbeitszeiten nach JArbSchG
| Alter | Max. Arbeitszeit | Schichtzeiten |
|---|---|---|
| 15-17 | 8 Std./Tag, 40 Std./Woche | 6:00-20:00 Uhr |
| Ab 16 (Gastro) | 8 Std./Tag | Bis 22:00 Uhr |
Besondere Regeln
- 5-Tage-Woche
- Samstagsarbeit erlaubt (mit Ausgleich)
- Sonntags- und Feiertagsarbeit: Nur an max. 26 Sonntagen/Jahr
- Pausen: 30 Min. bei >4,5 Std., 60 Min. bei >6 Std.
Dienstplan-Konsequenzen
- Azubis nicht nach 22:00 Uhr einplanen
- 2 Tage pro Woche frei (davon 1 Samstag oder Sonntag)
- Längere Pausen berücksichtigen
Saisonale Planung
Hochsaison
Herausforderungen:
- Mehr Personal nötig
- Längere Arbeitszeiten
- Weniger Urlaubsmöglichkeiten
Lösungen:
- Saisonkräfte einstellen
- Überstundenregelung klar kommunizieren
- Urlaubssperre (wenn zulässig)
Nebensaison
Herausforderungen:
- Personalüberhang
- Kosten reduzieren
- Mitarbeiter halten
Lösungen:
- Arbeitszeitkonten nutzen (Überstunden abbauen)
- Weiterbildung anbieten
- Kurzfristige Reduzierung (einvernehmlich)
Feiertage und Events
Planung:
- Frühzeitig planen (Weihnachten, Silvester)
- Zuschläge kalkulieren
- Freiwilligkeit fördern (aber Pflicht durchsetzen können)
Digitale Dienstplanung
Vorteile
| Aspekt | Analog | Digital |
|---|---|---|
| Erstellung | Zeitaufwändig | Schnell |
| Kommunikation | Aushang | App/E-Mail |
| Änderungen | Chaotisch | Nachvollziehbar |
| Verfügbarkeiten | Zettelwirtschaft | Systematisch |
| Auswertung | Manuell | Automatisch |
Funktionen guter Software
☐ Verfügbarkeiten erfassen ☐ Drag-and-Drop-Planung ☐ Automatische Konfliktprüfung (Ruhezeiten, Stundengrenze) ☐ Mobile App für Mitarbeiter ☐ Tauschbörse ☐ Integration mit Zeiterfassung
Tauschbörse
Funktionsweise: Mitarbeiter können Schichten untereinander tauschen.
Vorteile:
- Mehr Flexibilität
- Weniger Planungsaufwand
- Höhere Zufriedenheit
Regeln:
- Qualifikation muss passen
- Vorgesetzter muss genehmigen
- Arbeitszeiten müssen eingehalten werden
Praktische Tipps
Fairness sicherstellen
Grundsätze:
- Wochenenden rotierend verteilen
- Unbeliebte Schichten (Silvester) fair teilen
- Wunschfrei ermöglichen
Puffer einplanen
Warum: Krankheit, Ausfälle, unerwartetes Gästeaufkommen.
Wie:
- Rufbereitschaft vereinbaren
- Springer-Mitarbeiter
- Kontakte zu Aushilfen pflegen
Kommunikation
Transparent:
- Plan rechtzeitig veröffentlichen
- Änderungen sofort kommunizieren
- Feedback einholen
Häufige Fragen zur Dienstplanung in der Gastronomie
Fazit
Dienstplanung in Gastronomie und Hotel erfordert Jonglieren zwischen Gästeaufkommen, Mitarbeiterwünschen und Rechtsvorschriften. Mit guter Planung, fairer Verteilung und digitalen Tools gelingt der Spagat. Investieren Sie Zeit in die Planung – Sie sparen sie bei der Umsetzung.
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