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Ruhezeiten zwischen Schichten: Gesetzliche Vorgaben

Ruhezeiten zwischen Schichten: 11 Stunden Mindestruhezeit, Ausnahmen und was bei Verstößen passiert. Alle Regeln für Arbeitgeber.

7 Min. Lesezeit
Mitarbeiter nach Schichtende auf dem Heimweg

Ruhezeiten zwischen Schichten: Gesetzliche Vorgaben

Nach der Arbeit braucht der Körper Erholung. Das Arbeitszeitgesetz schreibt daher eine Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen zwei Arbeitsschichten vor. Wer dagegen verstößt, riskiert Bußgelder.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mindestruhezeit: 11 ununterbrochene Stunden nach Arbeitsende
  • Die Ruhezeit beginnt mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes
  • In bestimmten Branchen kann die Ruhezeit auf 10 Stunden verkürzt werden
  • Rufbereitschaft kann die Ruhezeit unterbrechen
  • Verstöße werden mit bis zu 15.000 € geahndet

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Gesetzliche Grundlage

§ 5 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Das Arbeitszeitgesetz regelt die Ruhezeit in § 5:

Absatz 1:

Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.

Bedeutung:

  • 11 Stunden sind das absolute Minimum
  • Die Zeit muss ununterbrochen sein
  • Sie beginnt nach Ende der Arbeitszeit (nicht nach Verlassen des Geländes)

Berechnung der Ruhezeit

Beispiel 1: Normaler Arbeitstag

  • Arbeitsende: 18:00 Uhr
  • Ruhezeit: 18:00 - 05:00 Uhr (11 Stunden)
  • Frühester Arbeitsbeginn: 05:00 Uhr

Beispiel 2: Spätschicht

  • Arbeitsende: 22:00 Uhr
  • Ruhezeit: 22:00 - 09:00 Uhr (11 Stunden)
  • Frühester Arbeitsbeginn: 09:00 Uhr

Beispiel 3: Nachtschicht

  • Arbeitsende: 06:00 Uhr
  • Ruhezeit: 06:00 - 17:00 Uhr (11 Stunden)
  • Frühester Arbeitsbeginn: 17:00 Uhr

Ausnahmen und Verkürzungen

Branchen mit verkürzter Ruhezeit

In bestimmten Branchen kann die Ruhezeit auf 10 Stunden verkürzt werden (§ 5 Abs. 2 ArbZG):

BrancheVerkürzung erlaubt
Krankenhäuser und PflegeeinrichtungenJa
Gaststätten und HotelsJa
VerkehrsbetriebeJa
RundfunkJa
LandwirtschaftJa
TierhaltungJa

Bedingung: Die Verkürzung muss innerhalb eines Monats durch entsprechende Verlängerung anderer Ruhezeiten ausgeglichen werden.

Tarifvertragliche Regelungen

Tarifverträge können weitere Ausnahmen vorsehen:

  • Verkürzung auf bis zu 9 Stunden in Ausnahmefällen
  • Ausgleich durch längere Ruhezeiten
  • Besondere Regelungen für Bereitschaftsdienst

Besondere Situationen

Rufbereitschaft:

  • Ruhezeit wird bei Arbeitseinsatz unterbrochen
  • Nach dem Einsatz beginnt die Ruhezeit von vorne
  • Reine Rufbereitschaft ohne Einsatz gilt als Ruhezeit

Arbeitsweg:

  • Zählt nicht zur Ruhezeit
  • Ruhezeit beginnt erst bei Ankunft zuhause (strittig)
  • In der Praxis: Ende der Arbeitszeit ist maßgeblich

Dienstreisen:

  • Anfahrt kann als Arbeitszeit gelten
  • Hotelübernachtung ist Ruhezeit
  • Bei frühem Termin: Ruhezeit prüfen

Ruhezeit in der Schichtplanung

Schichtmodelle und Ruhezeiten

Zweischichtmodell:

  • Frühschicht: 06:00 - 14:00 Uhr
  • Spätschicht: 14:00 - 22:00 Uhr
  • Wechsel problemlos (16 Stunden Ruhezeit)

Dreischichtmodell:

SchichtZeitRuhezeit bis
Früh06:00 - 14:0001:00 Uhr
Spät14:00 - 22:0009:00 Uhr
Nacht22:00 - 06:0017:00 Uhr

Kritische Wechsel:

  • Nacht → Früh: Nicht möglich am gleichen Tag
  • Spät → Früh: Nur bei Arbeitsbeginn ab 09:00 Uhr

Tipp

Planen Sie zwischen Schichtwechseln immer mindestens einen freien Tag ein. Das erhöht die Erholung und vermeidet Ruhezeitverstöße.

Rotationsmuster

Empfohlene Rotation: Früh → Früh → Früh → Spät → Spät → Spät → Frei → Frei

Problematische Rotation: Früh → Spät → Nacht → Früh (zu schneller Wechsel)

Überstunden und Ruhezeit

Wenn Mitarbeiter Überstunden machen, verschiebt sich die Ruhezeit:

Beispiel:

  • Geplantes Ende: 18:00 Uhr
  • Tatsächliches Ende: 20:00 Uhr (2 Std. Überstunden)
  • Ruhezeit bis: 07:00 Uhr (statt 05:00 Uhr)
  • Problem, wenn Arbeitsbeginn um 06:00 Uhr

Lösung:

  • Späteren Arbeitsbeginn am Folgetag
  • Oder: Freier Tag nach Überstunden

Kontrolle und Dokumentation

Dokumentationspflicht

Arbeitgeber müssen nachweisen können, dass Ruhezeiten eingehalten werden:

Notwendige Daten:

  • Ende der Arbeitszeit (täglich)
  • Beginn der Arbeitszeit (täglich)
  • Bei Verkürzung: Ausgleich dokumentieren

Zeiterfassung als Nachweis

Eine Zeiterfassungssoftware sollte:

  • Beginn und Ende automatisch erfassen
  • Ruhezeitverstöße markieren
  • Warnungen bei kritischer Planung geben

Prüfpunkte:

PrüfungAutomatisierbar
11-Stunden-RegelJa
BranchenausnahmenMit Konfiguration
AusgleichszeiträumeMit Konfiguration

Wer kontrolliert?

  • Gewerbeaufsicht bei Betriebsprüfungen
  • Arbeitsschutzbehörden
  • Berufsgenossenschaften
  • Betriebsrat (Überwachungsrecht)

Verstöße und Konsequenzen

Bußgelder

VerstoßBußgeld
RuhezeitverstoßBis 15.000 €
Wiederholter VerstoßHöhere Bußgelder
Vorsätzliche GefährdungStraftat möglich

Arbeitsrechtliche Folgen

Für den Arbeitgeber:

  • Schadensersatzpflicht bei Unfällen
  • Haftung bei Gesundheitsschäden
  • Imageschaden

Für den Arbeitnehmer:

  • Kein Mitverschulden bei Einhaltung von Anweisungen
  • Recht, Arbeit zu verweigern bei Ruhezeitverstoß
  • Meldepflicht gegenüber Vorgesetztem

Prävention

Organisatorische Maßnahmen:

  • Schichtpläne mit automatischer Ruhezeitprüfung
  • Überstundenregelung mit Folgetag-Berücksichtigung
  • Vertretungsregelungen bei kurzfristigen Änderungen

Technische Maßnahmen:

  • Zeiterfassung mit Warnfunktion
  • Schichtplanungssoftware mit Regelprüfung
  • Automatische Alerts bei Verstößen

Hinweis

Moderne Schichtplanungssoftware prüft Ruhezeiten automatisch und warnt bei Verstößen. Das minimiert Fehler und schützt vor Bußgeldern.

Sonderfälle

Bereitschaftsdienst

Arbeitsrechtliche Einordnung:

  • Bereitschaftsdienst im Betrieb = Arbeitszeit
  • Rufbereitschaft zuhause = keine Arbeitszeit (mit Einschränkungen)

Auswirkung auf Ruhezeit:

  • Nach Bereitschaftsdienst: volle 11 Stunden Ruhezeit
  • Nach Rufbereitschaft mit Einsatz: Ruhezeit beginnt neu
  • Nach Rufbereitschaft ohne Einsatz: zählt als Ruhezeit

Jugendliche Arbeitnehmer

Für unter 18-Jährige gilt nach dem JArbSchG:

  • Ruhezeit: mindestens 12 Stunden
  • Keine Ausnahmen möglich

Schwangere und stillende Mütter

Nach dem Mutterschutzgesetz:

  • Keine Nachtarbeit (20:00 - 06:00 Uhr)
  • Damit faktisch längere Ruhezeiten

Leitende Angestellte

Echte leitende Angestellte (§ 18 ArbZG) sind vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen. Für sie gelten:

  • Keine gesetzliche Mindestruhezeit
  • Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bleibt
  • Vertragliche Regelungen möglich

Praktische Tipps

Für Arbeitgeber

  1. Schichtplanung optimieren

    • Wechsel nur mit ausreichend Abstand
    • Überstunden einplanen
    • Puffer für Unvorhergesehenes
  2. Zeiterfassung nutzen

    • Automatische Ruhezeitprüfung
    • Warnungen aktivieren
    • Regelmäßige Auswertungen
  3. Vertretungen organisieren

    • Springer für kurzfristige Ausfälle
    • Keine spontanen Schichtwechsel ohne Prüfung

Für Arbeitnehmer

  1. Ruhezeiten kennen

    • Eigene Rechte verstehen
    • Bei Verstößen melden
  2. Arbeitszeiten dokumentieren

    • Eigene Aufzeichnungen führen
    • Überstunden notieren
  3. Bei Problemen handeln

    • Gespräch mit Vorgesetztem
    • Betriebsrat einschalten
    • Arbeitsschutzbehörde informieren

Häufige Fragen zur Ruhezeit

Nein, die Ruhezeit ist zwingend. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können wirksam darauf verzichten. Das Arbeitszeitgesetz dient dem Gesundheitsschutz und ist nicht abdingbar.
Ein kurzer Anruf unterbricht die Ruhezeit in der Regel nicht. Bei einem längeren Arbeitseinsatz (auch telefonisch) beginnt die Ruhezeit jedoch von vorne. Im Zweifelsfall gilt: Jede Arbeitsleistung unterbricht die Ruhezeit.
Ja, die Ruhezeit gilt für die gesamte Arbeitszeit, auch wenn sie bei verschiedenen Arbeitgebern geleistet wird. Arbeitnehmer müssen ihre Arbeitgeber informieren, und die Summe der Arbeitszeiten darf die Höchstgrenzen nicht überschreiten.
Bei Verkürzung der Ruhezeit (in zulässigen Fällen auf 10 Stunden) muss der Ausgleich innerhalb eines Monats erfolgen. Die nachgeholte Ruhezeit muss dann entsprechend länger sein. Ein freier Tag erfüllt diese Anforderung.

Fazit

Die 11-stündige Ruhezeit zwischen Schichten ist ein wichtiger Gesundheitsschutz. Arbeitgeber müssen sie bei der Schichtplanung berücksichtigen und durch Zeiterfassung dokumentieren. Verstöße werden mit empfindlichen Bußgeldern geahndet. Eine moderne Zeiterfassung hilft, Ruhezeiten automatisch zu überwachen.

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