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Zeiterfassung bei Schichtarbeit: Wechselschichten managen

Zeiterfassung bei Schichtarbeit: Wechselschichten erfassen, Zuschläge berechnen und Ruhezeiten einhalten. Praxistipps für den Schichtbetrieb.

6 Min. Lesezeit
Schichtarbeiter bei der Zeiterfassung

Zeiterfassung bei Schichtarbeit: Wechselschichten managen

Früh-, Spät-, Nachtschicht – Schichtarbeit stellt besondere Anforderungen an die Zeiterfassung. Wechselnde Arbeitszeiten, Zuschläge und Ruhezeiten müssen korrekt erfasst und berechnet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schichtarbeit erfordert flexible Zeiterfassungssysteme
  • Automatische Zuschlagsberechnung spart Zeit und verhindert Fehler
  • Ruhezeiten (11 Stunden) müssen eingehalten und geprüft werden
  • Integration mit Dienstplanung ist ideal
  • Besondere Anforderungen bei Nacht- und Wechselschicht

Schichtmodelle im Überblick

Häufige Schichtformen

Zwei-Schicht-System:

  • Frühschicht: 6:00-14:00 Uhr
  • Spätschicht: 14:00-22:00 Uhr

Drei-Schicht-System (Vollkonti):

  • Frühschicht: 6:00-14:00 Uhr
  • Spätschicht: 14:00-22:00 Uhr
  • Nachtschicht: 22:00-6:00 Uhr

Wechselschicht: Mitarbeiter wechseln regelmäßig zwischen verschiedenen Schichten.

Besonderheiten

SchichtformHerausforderung
Feste SchichtRelativ einfach, konstante Zeiten
WechselschichtWechselnde Soll-Zeiten, Zuschläge
NachtarbeitNachtarbeitszuschläge, Gesundheitsschutz
WochenendarbeitSonntagszuschläge, Ersatzruhetage

Anforderungen an die Zeiterfassung

Grundfunktionen

Unverzichtbar:

  • Erfassung von Start und Ende jeder Schicht
  • Automatische Pausenberechnung
  • Zuordnung zur geplanten Schicht
  • Abweichungserkennung (Früh-/Spätstart)

Erweiterte Funktionen

Sehr nützlich:

  • Automatische Zuschlagsberechnung
  • Ruhezeitprüfung
  • Integration mit Dienstplan
  • Schichtübergabe-Protokoll

Reporting

Auswertungen:

  • Ist vs. Soll pro Schicht
  • Zuschlagsstunden (Nacht, Sonntag)
  • Schichtverteilung pro Mitarbeiter
  • Ruhezeitverletzungen

Tipp

Ein Zeiterfassungssystem mit integrierter Dienstplanung ist für Schichtbetriebe ideal: Der Dienstplan liefert das Soll, die Zeiterfassung das Ist – Abweichungen werden automatisch erkannt.

Soll vs. Ist

Dienstplan als Grundlage

Der Dienstplan definiert:

  • Welche Schicht ist geplant?
  • Wann beginnt und endet die Schicht?
  • Welche Pausenzeiten gelten?

Zeiterfassung erfasst das Ist

Die Stempelung zeigt:

  • Wann wurde tatsächlich angefangen?
  • Wann wurde tatsächlich aufgehört?
  • Wurden Pausen genommen?

Abweichungsmanagement

Typische Abweichungen:

  • Früherer/späterer Start
  • Längere Schicht (Übergabe, Mehrarbeit)
  • Pausenverschiebung

Umgang damit:

  • Toleranzen definieren (z.B. ±5 Minuten)
  • Größere Abweichungen genehmigen lassen
  • Automatische Korrektur innerhalb Toleranz

Zuschlagsberechnung

Nachtarbeitszuschlag

Gesetzlich: § 6 Abs. 5 ArbZG: Angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder angemessener Zuschlag auf das Bruttoarbeitsentgelt.

Typisch:

  • 25-30% Zuschlag für Nachtarbeit
  • Nachtzeit: 23:00-6:00 Uhr (oder 22:00-6:00 Uhr)
  • Tarifverträge regeln Details

Sonntagszuschlag

Steuerlich: Zuschläge für Sonntagsarbeit sind bis zu 50% des Grundlohns steuerfrei (max. 50 €/Stunde Grundlohn).

Berechnung: Sonntag: 0:00-24:00 Uhr

Feiertagszuschlag

Steuerlich: Bis zu 125% steuerfrei (150% an Weihnachten und 1. Mai).

Automatisierung

Zeiterfassungssystem sollte:

  1. Zuschlagszeiten automatisch erkennen
  2. Zuschläge berechnen
  3. Nach Zuschlagsart aufschlüsseln
  4. Export für Lohnbuchhaltung

Beispiel:

Nachtschicht 22:00-06:00 Uhr
- 22:00-23:00: 1h Spätschicht
- 23:00-06:00: 7h Nachtarbeit (Zuschlag)
Gesamt: 8h, davon 7h mit Nachtzuschlag

Ruhezeiten

Gesetzliche Vorgaben

§ 5 ArbZG: Mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit nach Arbeitsende.

Verkürzung möglich (§ 5 Abs. 2 ArbZG): In bestimmten Branchen auf 10 Stunden (Krankenhaus, Gastronomie etc.).

Prüfung durch das System

Automatische Warnung bei:

  • Schichtwechsel mit weniger als 11 Stunden Abstand
  • Geplante Ruhezeitverletzung im Dienstplan
  • Tatsächliche Verletzung durch Überstunden

Beispiel:

  • Spätschicht endet: 23:00 Uhr
  • Frühschicht beginnt: 6:00 Uhr
  • Ruhezeit: 7 Stunden → Warnung!

Dokumentation

Für den Nachweis:

  • Automatische Protokollierung
  • Ausnahmen dokumentieren
  • Ausgleich vermerken

Hinweis

Ruhezeitverletzungen können bei Kontrollen Bußgelder nach sich ziehen. Ein gutes Zeiterfassungssystem warnt vor und dokumentiert, wenn es doch dazu kommt.

Schichttausch

Mitarbeiter-initiierter Tausch

Ablauf:

  1. Mitarbeiter A bietet Schicht an
  2. Mitarbeiter B übernimmt
  3. System prüft Qualifikation
  4. System prüft Ruhezeiten
  5. Vorgesetzter genehmigt (optional)
  6. Dienstplan wird aktualisiert

Systemunterstützung

Automatische Prüfungen:

  • Hat Mitarbeiter B die nötige Qualifikation?
  • Werden Ruhezeiten eingehalten?
  • Werden Höchstarbeitszeiten beachtet?
  • Gibt es Konflikte mit anderen Einsätzen?

Dokumentation

Nachvollziehbar:

  • Wer hat getauscht?
  • Wann wurde getauscht?
  • Wer hat genehmigt?
  • Originaler und neuer Plan

Terminals vs. Mobile Erfassung

Stationäre Terminals

Vorteile für Schichtbetrieb:

  • Robust und zuverlässig
  • Schnelle Erfassung (Chipkarte, PIN)
  • Standort eindeutig
  • Keine private Hardware nötig

Platzierung:

  • Am Schichtbeginn-Punkt
  • Vor der Umkleide (wenn Umkleidezeit keine Arbeitszeit)
  • Nach der Umkleide (wenn Umkleidezeit Arbeitszeit)

Mobile Erfassung

Für:

  • Mitarbeiter an wechselnden Standorten
  • Außendienst mit Schichtbezug
  • Kleine Standorte ohne Terminal

Nachteile:

  • Akku/Internetabhängig
  • Standortnachweis schwieriger
  • Private Smartphone-Nutzung

Empfehlung

Für klassischen Schichtbetrieb: Stationäre Terminals am Ein-/Ausgang oder Umkleide.

Als Ergänzung: Mobile Erfassung für Ausnahmen (vergessene Stempelung, Außeneinsatz).

Übergaben dokumentieren

Bedeutung der Schichtübergabe

Warum wichtig:

  • Informationsfluss sicherstellen
  • Verantwortungsübergang dokumentieren
  • Bei Vorfällen nachvollziehen

Integration in Zeiterfassung

Möglichkeiten:

  • Übergabezeit als eigene Zeitart
  • Protokoll im System hinterlegen
  • Checklisten beim Schichtwechsel

Überlappungszeiten

Bei bezahlter Übergabe:

  • 15-30 Minuten Überlappung
  • Beide Schichten anwesend
  • Zeiterfassung berücksichtigt Überlappung

Arbeitsschutz und Gesundheit

Nachtarbeit

Pflichten des Arbeitgebers:

  • Arbeitsmedizinische Untersuchung anbieten
  • Umsetzung auf Tagarbeit bei Gesundheitsproblemen
  • Angemessener Zuschlag oder Freizeitausgleich

Dokumentation für Arbeitsmedizin

Zeiterfassung liefert:

  • Anzahl der Nachtschichten
  • Dauer der Nachtarbeit
  • Belastungsprofile

Langzeitauswertungen

Für Gesundheitsschutz:

  • Nachtarbeitsstatistik pro Mitarbeiter
  • Wechselschichtbelastung
  • Erholungszeiten

Lohnabrechnung

Export der Zuschläge

Format für Lohnbuchhaltung:

  • Normalstunden
  • Nachtstunden
  • Sonntagsstunden
  • Feiertagsstunden
  • Je Mitarbeiter und Abrechnungszeitraum

Steuerfreie Zuschläge

Korrekte Berechnung wichtig:

  • Grundlohn ermitteln
  • Zuschlagssätze anwenden
  • Höchstgrenzen beachten
  • Steuerfreie und steuerpflichtige Anteile trennen

Automatisierung

Spart Zeit und Fehler:

  • Keine manuelle Berechnung
  • Keine vergessenen Zuschläge
  • Audit-Trail für Prüfungen

Checkliste für Schichtbetriebe

System auswählen

☐ Schichtmodelle konfigurierbar ☐ Automatische Zuschlagsberechnung ☐ Ruhezeitprüfung ☐ Dienstplan-Integration möglich ☐ Terminal-Unterstützung

Einrichten

☐ Schichtzeiten definieren ☐ Zuschlagssätze hinterlegen ☐ Pausenregelungen konfigurieren ☐ Toleranzen festlegen ☐ Berechtigungen vergeben

Betrieb

☐ Regelmäßige Auswertung Abweichungen ☐ Ruhezeitwarnungen beachten ☐ Zuschlagsberechnungen prüfen ☐ Mitarbeiter-Feedback einholen

Häufige Fragen zur Zeiterfassung bei Schichtarbeit

Wenn eine Schicht in die Nachtzeit hineinreicht, werden die Stunden anteilig berechnet. Beispiel: Spätschicht endet 23:30 Uhr – eine halbe Stunde zählt als Nachtarbeit (23:00-23:30). Gute Zeiterfassungssysteme berechnen das automatisch minutengenau.
Ob Umkleidezeit Arbeitszeit ist, hängt von der Rechtsprechung und Ihren Vereinbarungen ab. Wenn ja, stempeln Mitarbeiter vor dem Umkleiden. Wenn nein, danach. Konfigurieren Sie die Stempelstelle entsprechend und berücksichtigen Sie BAG-Urteile zur Umkleidezeit.
Mit entsprechender Software ja. Das System prüft automatisch Qualifikationen und Ruhezeiten. Ein Genehmigungsworkflow kann zwischengeschaltet werden. Der Tausch wird dokumentiert und der Dienstplan aktualisiert.
Das System sollte warnen – sowohl bei der Planung als auch bei tatsächlicher Unterschreitung. Dokumentieren Sie die Gründe und den Ausgleich. Bei systematischen Verstößen drohen Bußgelder bei Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht.

Fazit

Zeiterfassung bei Schichtarbeit erfordert ein System, das mit wechselnden Arbeitszeiten, automatischer Zuschlagsberechnung und Ruhezeitprüfung umgehen kann. Die Integration mit der Dienstplanung vereinfacht den Soll-Ist-Vergleich erheblich. Investieren Sie in ein System, das diese Anforderungen erfüllt – die Zeitersparnis bei der Lohnabrechnung und die Rechtssicherheit machen sich schnell bezahlt.

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