Zum Hauptinhalt springen

Stundensatz berechnen: Kalkulation für Projekte

Stundensatz richtig berechnen: Von den Kosten über den Gewinnaufschlag bis zum marktfähigen Preis. Mit Rechenbeispielen.

6 Min. Lesezeit
Taschenrechner und Stundensatz-Kalkulation

Stundensatz berechnen: Kalkulation für Projekte

Der richtige Stundensatz entscheidet über Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Guide zeigt, wie Sie Ihren Stundensatz kalkulieren und was dabei zu beachten ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Stundensatz muss alle Kosten decken und einen Gewinn ermöglichen
  • Produktive Stunden sind deutlich geringer als Anwesenheitsstunden
  • Gemeinkosten und nicht-fakturierbare Zeiten einkalkulieren
  • Marktpreise als Orientierung, nicht als alleiniges Kriterium
  • Regelmäßige Nachkalkulation verbessert zukünftige Schätzungen

Grundlagen der Stundensatzkalkulation

Was der Stundensatz abdecken muss

Ein tragfähiger Stundensatz deckt:

KostenartBeispiele
DirektkostenGehalt, Sozialabgaben
GemeinkostenMiete, IT, Verwaltung
MaterialkostenSoftware, Werkzeuge
RisikoaufschlagAusfälle, Nacharbeit
GewinnUnternehmenserfolg

Die Formel

Vereinfachte Formel:

Stundensatz = (Jahreskosten + Gewinn) / Produktive Stunden

Erweiterte Formel:

Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten + Risikoaufschlag + Gewinn) / Fakturierbare Stunden

Produktive Stunden berechnen

Von Anwesenheit zu produktiver Zeit

Nicht jede bezahlte Stunde ist fakturierbar:

KomponenteTage/StundenAnmerkung
Kalendertage365
- Wochenenden-104
- Feiertage-10Regional unterschiedlich
- Urlaub-30Vertraglicher Anspruch
- Krankheit-10Durchschnitt
- Fortbildung-5
= Anwesenheitstage206
× 8 Stunden1.648Bruttoarbeitszeit

Produktivitätsabzug

Von den Anwesenheitsstunden sind nicht alle produktiv:

  • Meetings: 10-20%
  • Administration: 5-10%
  • Akquise: 5-15%
  • Leerlauf: 5-10%

Typische Produktivität: 60-75%

Beispiel:

  • Bruttoarbeitszeit: 1.648 Stunden
  • Produktivität: 70%
  • Fakturierbare Stunden: 1.154 Stunden

Tipp

Messen Sie Ihre tatsächliche Produktivität mit einer Projektzeiterfassung. Die Realität weicht oft von der Annahme ab – nach oben oder unten.

Schritt-für-Schritt-Kalkulation

Schritt 1: Personalkosten ermitteln

Bruttolohn + Nebenkosten:

PositionBetrag/Jahr
Bruttolohn50.000 €
Sozialversicherung AG (ca. 20%)10.000 €
Sonstige Personalkosten2.000 €
Personalkosten gesamt62.000 €

Schritt 2: Gemeinkosten zurechnen

Anteilige Gemeinkosten pro Mitarbeiter:

PositionBetrag/Jahr
Miete/Arbeitsplatz6.000 €
IT und Software3.000 €
Verwaltung (anteilig)4.000 €
Versicherungen1.000 €
Marketing2.000 €
Gemeinkosten gesamt16.000 €

Schritt 3: Risikoaufschlag

Für unvorhergesehene Kosten:

  • Nacharbeit
  • Leerläufe
  • Forderungsausfälle
  • Preiserhöhungen

Typisch: 5-10% auf die Gesamtkosten

Beispiel: 5% × 78.000 € = 3.900 €

Schritt 4: Gewinn aufschlagen

Je nach Zielsetzung:

  • Kostendeckend: 0%
  • Mäßiger Gewinn: 10-15%
  • Guter Gewinn: 15-25%
  • Premium-Anbieter: 25%+

Beispiel: 15% × 81.900 € = 12.285 €

Schritt 5: Stundensatz berechnen

Gesamtkosten + Gewinn: 81.900 € + 12.285 € = 94.185 €

Geteilt durch fakturierbare Stunden: 94.185 € / 1.154 h = 81,62 €/Stunde

Gerundet: 82 €/Stunde (netto)

Vollständiges Rechenbeispiel

Ausgangssituation

  • Mitarbeiter mit 50.000 € Bruttolohn
  • Kleine Agentur
  • Ziel: Nachhaltiger Gewinn

Kalkulation

PositionBetrag
Personalkosten62.000 €
Gemeinkosten16.000 €
Zwischensumme78.000 €
Risikoaufschlag (5%)3.900 €
Kosten gesamt81.900 €
Gewinn (15%)12.285 €
Zielbetrag/Jahr94.185 €
Fakturierbare Stunden1.154 h
Stundensatz81,62 €

Varianten

Bei geringerer Produktivität (60%):

  • Fakturierbare Stunden: 989 h
  • Stundensatz: 95,23 €

Bei höherem Gewinnziel (25%):

  • Zielbetrag: 102.375 €
  • Stundensatz: 88,71 €

Marktvergleich

Typische Stundensätze nach Branche

BrancheSpanneMittel
IT-Entwicklung80-150 €100 €
Beratung100-300 €150 €
Grafikdesign60-120 €80 €
Handwerk45-80 €60 €
Marketing-Agentur80-150 €100 €
Buchhaltung50-100 €70 €

Faktoren für höhere Stundensätze

Spezialisierung:

  • Nischenexpertise
  • Zertifizierungen
  • Erfahrung

Qualität:

  • Nachgewiesene Erfolge
  • Referenzen
  • Schnelligkeit

Knappheit:

  • Gefragte Skills
  • Regionale Unterschiede
  • Auslastungslage

Unterschiedliche Stundensätze

Nach Mitarbeiter-Qualifikation

LevelFaktorBeispiel
Junior0,757 €
Mid-Level1,082 €
Senior1,3107 €
Experte1,6131 €

Nach Projektart

ProjektartAufschlagBeispiel
FestpreisRisikoaufschlag +10%90 €
Time & MaterialStandard82 €
LangfristprojektRabatt -10%74 €
EilauftragAufschlag +30%107 €

Nach Kunde

  • Stammkunden: Evtl. Rabatt
  • Neukunden: Standardpreis
  • Schwierige Kunden: Aufschlag
  • Referenzprojekte: Evtl. Rabatt

Nachkalkulation

Warum nachkalkulieren?

Die Nachkalkulation zeigt:

  • War der Stundensatz auskömmlich?
  • Wo gab es Abweichungen?
  • Was muss angepasst werden?

So geht's

Projektabschluss:

  1. Tatsächliche Stunden aus Zeiterfassung
  2. Vergleich mit Kalkulation
  3. Ursachenanalyse
  4. Learnings dokumentieren

Jährliche Kalkulation:

  1. Tatsächliche Kosten ermitteln
  2. Tatsächliche produktive Stunden
  3. Ist-Stundensatz berechnen
  4. Mit Soll vergleichen

Hinweis

Eine gute Projektzeiterfassung ist die Grundlage für aussagekräftige Nachkalkulationen. Ohne exakte Zeitdaten tappen Sie im Dunkeln.

Stundensatz kommunizieren

Gegenüber Kunden

Strategien:

  • Wertbasiert argumentieren
  • Qualität betonen
  • Alternativen anbieten
  • Nicht nur über Preis verkaufen

Verhandlung:

  • Spielraum einkalkulieren
  • Gegenleistung bei Rabatt
  • Langfristige Zusammenarbeit

Intern

Transparenz:

  • Team kennt Kalkulationsgrundlage
  • Verständnis für Preise
  • Motivation zur Effizienz

Häufige Fragen zum Stundensatz

Mindestens einmal jährlich bei der Budgetplanung. Bei größeren Veränderungen (Gehaltserhöhungen, Mietanpassungen) sollten Sie den Stundensatz entsprechend anpassen. Laufende Verträge können meist erst bei Verlängerung angepasst werden.
Das hängt von Ihrer Branche und Positionierung ab. Manche Dienstleister veröffentlichen Preise, andere kalkulieren individuell. Transparenz kann Vertrauen schaffen, ermöglicht aber auch direkten Preisvergleich.
Nicht über den Preis konkurrieren, sondern über Wert, Qualität und Zuverlässigkeit. Günstige Anbieter haben oft versteckte Kosten, schlechtere Qualität oder werden nicht lange am Markt sein. Positionieren Sie sich als Premium-Anbieter.
Unterschiedliche Preise sind üblich: Langzeitkunden erhalten oft Rabatt, Eilaufträge kosten mehr, Referenzprojekte können günstiger sein. Wichtig ist Konsistenz und Fairness – seien Sie nicht willkürlich.

Fazit

Ein richtig kalkulierter Stundensatz sichert die Profitabilität Ihres Unternehmens. Berücksichtigen Sie alle Kosten, kalkulieren Sie realistische produktive Stunden und vergessen Sie den Gewinn nicht. Mit regelmäßiger Nachkalkulation auf Basis von Zeiterfassungsdaten verbessern Sie Ihre Schätzungen kontinuierlich.

Projektzeiterfassung für präzise Kalkulation

MyTimeTracker liefert exakte Zeitdaten für Ihre Vor- und Nachkalkulation. Projektzeiten, Auswertungen und Stundennachweise in einer Lösung.

  • Projektzeiterfassung
  • Detaillierte Reports
  • Stundennachweise
Kostenlos testen

Zeiterfassung starten

14 Tage kostenlos testen

Kostenlos testen

Zeiterfassung einfach & gesetzeskonform

Starten Sie jetzt mit MyTimeTracker und erfüllen Sie alle gesetzlichen Anforderungen. 14 Tage kostenlos testen, keine Kreditkarte erforderlich.

  • Sofort einsatzbereit
  • DSGVO-konform
  • Keine Einrichtung nötig
Kostenlos testen