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Arbeitsvertrag: Inhalt und Checkliste für Arbeitgeber

Arbeitsvertrag richtig aufsetzen: Welche Inhalte Pflicht sind und was Sie als Arbeitgeber beachten müssen. Mit vollständiger Checkliste.

6 Min. Lesezeit
Arbeitsvertrag wird unterschrieben

Arbeitsvertrag: Inhalt und Checkliste für Arbeitgeber

Der Arbeitsvertrag ist das Fundament des Arbeitsverhältnisses. Welche Inhalte sind Pflicht, was sollte geregelt sein, und worauf müssen Arbeitgeber achten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Nachweisgesetz schreibt seit 2022 erweiterte Pflichtangaben vor
  • Der Arbeitsvertrag muss schriftlich ausgehändigt werden
  • Verstöße können Bußgelder bis 2.000 € nach sich ziehen
  • Ein vollständiger Vertrag vermeidet spätere Streitigkeiten
  • Auch mündliche Vereinbarungen sind wirksam, aber schwer zu beweisen

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Gesetzliche Grundlagen

Nachweisgesetz (NachwG)

Seit August 2022 gelten erweiterte Pflichten:

Fristen:

  • Wesentliche Bedingungen: Spätestens am ersten Arbeitstag
  • Vollständiger Nachweis: Innerhalb von 7 Kalendertagen
  • Verbleibende Angaben: Innerhalb eines Monats

Sanktionen: Bußgeld bis 2.000 € bei Verstößen.

Formvorschriften

Grundsatz: Arbeitsverträge können mündlich geschlossen werden.

Aber: Die Niederschrift der wesentlichen Vertragsbedingungen muss schriftlich erfolgen (§ 2 NachwG).

In der Praxis: Schließen Sie immer einen schriftlichen Arbeitsvertrag ab. Das schützt beide Seiten.

Pflichtangaben nach Nachweisgesetz

Vollständige Liste

Nr.PflichtangabeBeispiel
1Name und Anschrift der VertragsparteienFirma, Mitarbeiter
2Beginn des Arbeitsverhältnisses01.03.2026
3Bei Befristung: Enddatum oder Dauer28.02.2027
4Arbeitsort oder Hinweis auf wechselnde OrteMusterstadt oder „verschiedene Orte"
5Tätigkeitsbeschreibung„Softwareentwickler"
6Probezeit (falls vereinbart)6 Monate
7Zusammensetzung und Höhe des Entgelts4.000 € brutto
8Arbeitszeit40 Stunden/Woche
9ÜberstundenregelungVergütung oder Freizeitausgleich
10Urlaubsanspruch30 Arbeitstage
11Kündigungsfristen und -form4 Wochen zum Monatsende, schriftlich
12Hinweis auf Tarifverträge/Betriebs-/DienstvereinbarungenFalls anwendbar
13Identität des Versorgungsträgers (bei bAV)Falls vorhanden
14FortbildungsanspruchFalls vorhanden
15Verfahren bei KündigungSchriftform, Fristen

Neue Pflichten seit 2022

Zusätzlich aufzunehmen:

  • Dauer der Probezeit
  • Vergütung von Überstunden
  • Ruhezeiten
  • Schichtsystem (falls vorhanden)
  • Arbeit auf Abruf (Details)
  • Kündigungsverfahren
  • Fortbildungsanspruch

Checkliste Arbeitsvertrag

Grunddaten

☐ Vollständiger Name des Arbeitgebers ☐ Anschrift des Arbeitgebers ☐ Vollständiger Name des Arbeitnehmers ☐ Anschrift des Arbeitnehmers ☐ Beginn des Arbeitsverhältnisses ☐ Befristung (falls ja: Grund und Dauer)

Arbeitsleistung

☐ Tätigkeitsbezeichnung/-beschreibung ☐ Arbeitsort(e) ☐ Arbeitszeit (Wochenstunden) ☐ Verteilung der Arbeitszeit ☐ Überstundenregelung ☐ Probezeit (Dauer)

Vergütung

☐ Grundgehalt (brutto) ☐ Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld etc.) ☐ Variable Vergütung (falls vorhanden) ☐ Zahlungsturnus (monatlich) ☐ Fälligkeit (wann im Monat)

Urlaub und Abwesenheit

☐ Urlaubsanspruch (Tage) ☐ Urlaubsjahr ☐ Übertragungsregelung ☐ Regelung bei Krankheit

Beendigung

☐ Kündigungsfristen (beidseitig) ☐ Form der Kündigung (schriftlich) ☐ Hinweis auf KSchG (bei Anwendbarkeit)

Sonstiges

☐ Geheimhaltungspflicht ☐ Nebentätigkeitsregelung ☐ Wettbewerbsverbot (falls gewünscht) ☐ Vertragsstrafen (falls gewünscht) ☐ Hinweis auf Tarifvertrag/BV ☐ Salvatorische Klausel ☐ Datum und Unterschriften

Tipp

Verwenden Sie eine standardisierte Vertragsvorlage, die regelmäßig rechtlich geprüft wird. So vergessen Sie keine Pflichtangaben und minimieren Fehler.

Wichtige Vertragsklauseln

Tätigkeitsbeschreibung

Zu eng: „Der Arbeitnehmer ist als Buchhalter tätig."

Besser: „Der Arbeitnehmer ist als Buchhalter tätig. Der Arbeitgeber ist berechtigt, ihm andere zumutbare Aufgaben zu übertragen."

Warum: Eine zu enge Beschreibung schränkt Ihre Flexibilität bei Versetzungen ein.

Arbeitszeit und Überstunden

Formulierungsbeispiel:

Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, im Rahmen des gesetzlich Zulässigen Überstunden zu leisten, wenn betriebliche Belange dies erfordern. Überstunden werden durch Freizeitausgleich abgegolten.

Wichtig: Das Pauschalieren von Überstunden im Gehalt ist nur unter strengen Voraussetzungen zulässig und oft unwirksam.

Versetzungsklausel

Formulierungsbeispiel:

Der Arbeitgeber ist berechtigt, den Arbeitnehmer an einem anderen Ort einzusetzen, soweit dies nach billigem Ermessen zumutbar ist.

Nebentätigkeit

Formulierungsbeispiel:

Nebentätigkeiten bedürfen der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Arbeitgebers. Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers nicht entgegenstehen.

Geheimhaltung

Formulierungsbeispiel:

Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, über alle ihm im Rahmen seiner Tätigkeit bekannt werdenden Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Stillschweigen zu bewahren.

Typische Fehler vermeiden

Fehler 1: Fehlende Pflichtangaben

Problem: Nachweisgesetz wird nicht vollständig erfüllt.

Folge: Bußgeld bis 2.000 €, schlechte Beweislage bei Streit.

Lösung: Checkliste nutzen, Vorlage regelmäßig aktualisieren.

Fehler 2: Unwirksame Klauseln

Häufige Beispiele:

  • Pauschale Überstundenabgeltung ohne Obergrenze
  • Zu lange Probezeit (über 6 Monate)
  • Unzulässige Vertragsstrafen
  • Intransparente Kündigungsfristen

Folge: Klauseln sind unwirksam, es gilt gesetzliche Regelung.

Fehler 3: Fehlende Anpassung an Tarifvertrag

Problem: Tarifvertrag gilt, aber Vertrag widerspricht ihm.

Folge: Günstigkeitsprinzip – die für den Arbeitnehmer günstigere Regelung gilt.

Fehler 4: Kein schriftlicher Vertrag

Problem: Mündliche Vereinbarung, keine Dokumentation.

Folge: Beweisschwierigkeiten, Bußgeld nach NachwG.

Hinweis

Ein Arbeitsvertrag sollte klar, vollständig und fair sein. Zu viele einseitige Klauseln zugunsten des Arbeitgebers können vor Gericht unwirksam sein.

Besondere Vertragsformen

Befristeter Arbeitsvertrag

Zusätzlich zu regeln:

  • Ende des Arbeitsverhältnisses (Datum oder Zweck)
  • Sachgrund (falls sachgrundlose Befristung: max. 2 Jahre)

Schriftform: Die Befristungsabrede muss vor Arbeitsantritt schriftlich vereinbart sein. Sonst gilt der Vertrag als unbefristet.

Teilzeitvertrag

Zusätzlich zu regeln:

  • Wöchentliche Stundenzahl
  • Verteilung auf Wochentage
  • Ggf. Lage der Arbeitszeit

Minijob-Vertrag

Besonderheiten:

  • Verdienstgrenze beachten (520 €)
  • Hinweis auf Rentenversicherungspflicht
  • Pauschale Sozialabgaben durch Arbeitgeber

Führungskräfte-Vertrag

Zusätzliche Regelungen:

  • Dienstwagen
  • Variable Vergütung/Bonus
  • Zielvereinbarungen
  • Freistellung bei Kündigung

Vertragsänderungen

Wann nötig?

Änderungen erfordern Anpassung bei:

  • Gehaltserhöhung
  • Beförderung
  • Arbeitszeitänderung
  • Versetzung (dauerhaft)

Form

Schriftform empfohlen: Jede Vertragsänderung sollte schriftlich als Nachtrag oder neuer Vertrag dokumentiert werden.

Formulierung:

„Der Arbeitsvertrag vom [Datum] wird mit Wirkung zum [Datum] wie folgt geändert: [Änderung]. Im Übrigen bleibt der Arbeitsvertrag unverändert."

Häufige Fragen zum Arbeitsvertrag

Der Arbeitsvertrag selbst kann auch mündlich geschlossen werden. Aber nach dem Nachweisgesetz müssen Sie die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich dokumentieren und dem Arbeitnehmer aushändigen. In der Praxis sollten Sie immer einen schriftlichen Vertrag abschließen.
Bei Verstößen gegen das Nachweisgesetz droht ein Bußgeld bis zu 2.000 €. Zudem haben Sie bei Streitigkeiten eine schlechtere Beweisposition. Fehlende Angaben sollten Sie schnellstmöglich nachreichen.
Ja, aber nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers. Einseitige Änderungen sind nur im Rahmen des Direktionsrechts möglich (z.B. kurzfristige Arbeitsortwechsel). Wesentliche Änderungen wie Gehaltskürzung oder Arbeitszeiterhöhung erfordern einen Änderungsvertrag oder eine Änderungskündigung.
Sie können längere als die gesetzlichen Fristen vereinbaren, aber nicht kürzere (in der Probezeit: 2 Wochen). Die gesetzliche Grundfrist beträgt 4 Wochen zum 15. oder Monatsende. Je nach Betriebszugehörigkeit verlängert sich die Frist für den Arbeitgeber.

Fazit

Ein vollständiger, rechtssicherer Arbeitsvertrag schützt beide Seiten und vermeidet Streitigkeiten. Nutzen Sie eine aktuelle Vorlage, prüfen Sie alle Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz und lassen Sie den Vertrag bei Unsicherheit rechtlich prüfen. Die Investition lohnt sich.

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