Zeiterfassung in der stationären Pflege
Pflegeheime und stationäre Pflegeeinrichtungen arbeiten rund um die Uhr – und das mit knappem Personal. Zeiterfassung muss hier effizient sein, den Schichtbetrieb abbilden und gleichzeitig Dokumentationspflichten erfüllen.
Das Wichtigste in Kürze
- 24/7-Betrieb erfordert durchgängige Schichtplanung
- Nacht- und Wochenendzuschläge müssen automatisch berechnet werden
- Qualifikationen (Fachkraft, Hilfskraft) beeinflussen die Einsatzplanung
- Pflegeschlüssel und Personalmindestbesetzung nachweisen
- Ruhezeiten bei Schichtwechsel besonders wichtig
Besonderheiten der stationären Pflege
24-Stunden-Betrieb
Herausforderungen:
- Rund-um-die-Uhr-Besetzung erforderlich
- Wechselschichten mit Früh, Spät, Nacht
- Wochenend- und Feiertagsdienste
- Bereitschaftsdienste nachts
Personalknappheit
Auswirkungen auf Zeiterfassung:
- Überstunden sind häufig
- Einspringen bei Krankheit
- Flexible Schichttausche nötig
- Arbeitsbelastung dokumentieren
Qualifikationsmix
Verschiedene Berufsgruppen:
- Examinierte Pflegefachkräfte
- Pflegehelfer
- Alltagsbegleiter
- Betreuungskräfte (§ 43b SGB XI)
- Auszubildende
Schichtmodelle in der Pflege
Typisches Drei-Schicht-System
| Schicht | Zeiten | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Frühdienst | 6:00-14:30 | Morgenpflege, Arztvisiten |
| Spätdienst | 13:30-22:00 | Abendpflege, Angehörigenbesuche |
| Nachtdienst | 21:30-6:30 | Nachtruhe, Notfälle |
Übergabezeiten
Überlappung wichtig:
- Schichtübergabe 30 Minuten
- Information über Bewohner
- Dokumentation übergeben
- Besondere Vorkommnisse
Geteilte Dienste
In manchen Einrichtungen:
- Frühschicht + Nachmittagsdienst
- Anpassung an Bewohnerbedürfnisse
- Komplexere Zeiterfassung nötig
Tipp
Planen Sie ausreichend Übergabezeit ein und erfassen Sie diese als Arbeitszeit. Eine gute Übergabe verhindert Fehler und erhöht die Pflegequalität.
Anforderungen an die Zeiterfassung
Grundfunktionen
Unverzichtbar:
- Schichterfassung mit verschiedenen Diensten
- Automatische Zuschlagsberechnung
- Ruhezeitprüfung
- Qualifikationszuordnung
Erweiterte Funktionen
Sehr nützlich:
- Dienstplan-Integration
- Personalbedarfsabgleich
- Einspring-Management
- Ausfallstatistiken
Nachweisfunktionen
Für Prüfungen:
- Personalmindestbesetzung dokumentieren
- Fachkraftquote nachweisen
- Nachtdienstbesetzung belegen
Zuschläge in der Pflege
Nachtarbeitszuschlag
Typisch in AVR/TVöD:
- 20-25% für Nachtarbeit (20:00/21:00 bis 6:00)
- Teils höhere Sätze bei Wechselschicht
Wochenendzuschlag
Samstag:
- Oft 15-20% Zuschlag
- Ab 13:00 Uhr oder ganztägig
Sonntag:
- 25-50% Zuschlag
- Steuerfreier Anteil beachten
Feiertagszuschlag
Typisch:
- 35-100% Zuschlag
- Je nach Feiertag unterschiedlich
- Teils zusätzlich Freizeitausgleich
Wechselschichtzulage
Bei regelmäßigem Wechsel:
- Monatliche Pauschale
- Oder Stundenzuschlag
- Tarifvertraglich geregelt
Ruhezeiten einhalten
11-Stunden-Regel
Gesetzliche Mindestanforderung: Nach Ende der Arbeitszeit mindestens 11 Stunden Ruhe.
Problem in der Pflege:
- Spätdienst endet 22:00 Uhr
- Frühdienst beginnt 6:00 Uhr
- Nur 8 Stunden Ruhezeit!
Verkürzung auf 10 Stunden
§ 5 Abs. 2 ArbZG: In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen kann die Ruhezeit auf 10 Stunden verkürzt werden.
Bedingung: Ausgleich innerhalb von 4 Wochen durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit.
Systemunterstützung
Automatische Prüfung:
- Warnung bei Ruhezeitunterschreitung
- Auch bei Schichttausch
- Dokumentation für Prüfungen
Hinweis
Die Verkürzung der Ruhezeit auf 10 Stunden ist keine Dauerlösung. Planen Sie so, dass 11 Stunden die Regel und 10 Stunden die Ausnahme sind.
Personalmindestbesetzung
Personalschlüssel
Je nach Bundesland und Pflegegrad: Vorgaben für Fachkraft-Bewohner-Verhältnis.
Beispiel: 1 Fachkraft für 8 Bewohner im Tagdienst.
Nachweispflicht
Zeiterfassung hilft:
- Tatsächliche Besetzung dokumentieren
- Fachkraftanteil nachweisen
- Abweichungen begründen
Auswertungen
Für MDK/Prüfungen:
- Tägliche Besetzung
- Qualifikationsmix
- Nachtdienstbesetzung
Einspringen bei Krankheit
Häufige Situation
Realität in der Pflege:
- Krankmeldung kurzfristig
- Schicht muss besetzt werden
- Jemand muss einspringen
Systemunterstützung
Funktionen:
- Schnelle Verfügbarkeitsabfrage
- Qualifikationsabgleich
- Ruhezeitprüfung vor Anfrage
- Dokumentation der Anfrage/Zusage
Überstundenmanagement
Risiko: Häufiges Einspringen führt zu Überstunden und Erschöpfung.
Auswertung wichtig:
- Wer springt wie oft ein?
- Überstundenverteilung fair?
- Belastungsgrenzen erreicht?
Bereitschaftsdienst nachts
Modelle
Voller Nachtdienst:
- Pflegekraft vor Ort
- Volle Arbeitszeit
- Normale Vergütung + Zuschlag
Bereitschaftsdienst:
- Pflegekraft vor Ort, aber Ruhe möglich
- Anteilige Anrechnung als Arbeitszeit
- Reduzierte Vergütung für Bereitschaftszeit
Zeiterfassung bei Bereitschaft
Erfassen:
- Beginn und Ende der Bereitschaft
- Tatsächliche Einsätze
- Ruhezeiten während der Bereitschaft
Vergütungsmodelle
Nach AVR/TVöD:
- Stufe I: 60% als Arbeitszeit (geringe Inanspruchnahme)
- Stufe II: 75% als Arbeitszeit (mittlere Inanspruchnahme)
- Stufe III: 90% als Arbeitszeit (hohe Inanspruchnahme)
Dokumentation und Pflege
Zeiterfassung vs. Pflegedokumentation
Zwei verschiedene Dinge:
- Zeiterfassung: Arbeitszeit des Mitarbeiters
- Pflegedokumentation: Leistungen am Bewohner
Aber Zusammenhang: Arbeitszeit sollte für Pflegeleistungen ausreichen.
Keine Doppelerfassung
Effizient arbeiten:
- Zeiterfassung am Terminal oder App
- Pflegedokumentation separat
- Keine redundante Eingabe
Hardware-Optionen
Stationäre Terminals
Platzierung:
- Eingangsbereich (nach Umkleide)
- Auf jeder Station
- Oder zentral
Anforderungen:
- Robust
- Einfache Bedienung
- Schnelle Erfassung
Mobile Erfassung
Für Pflegekräfte:
- Stempeln auf Station
- Weniger Wege
- Oder als Ergänzung
Nachteile:
- Hygiene (Smartphone)
- Akku-Abhängigkeit
- Private Geräte?
Empfehlung
Für stationäre Pflege: Feste Terminals an zentralen Punkten, ergänzt durch Nachbuchungsmöglichkeit im System.
Tarifverträge und AVR
TVöD-B (Kommunale Träger)
Arbeitszeit:
- 39 Stunden/Woche
- Schichtzulagen nach Anlage E
AVR Caritas/Diakonie
Kirchliche Träger:
- Eigene Arbeitszeitregelungen
- Oft 39 Stunden/Woche
- Spezielle Zuschlagsregelungen
Private Träger
Unterschiedlich:
- Haustarifverträge
- Individuelle Vereinbarungen
- Mindestlohn beachten
Häufige Fragen zur Zeiterfassung in der stationären Pflege
Fazit
Zeiterfassung in der stationären Pflege muss mit 24/7-Schichtbetrieb, verschiedenen Zuschlägen und knappem Personal umgehen können. Ein gutes System automatisiert die Zuschlagsberechnung, prüft Ruhezeiten und liefert Nachweise für Personalmindestbesetzung. Die Integration mit Dienstplanung spart Zeit und verhindert Konflikte. Investieren Sie in ein System, das die Besonderheiten der Pflege versteht – es entlastet die ohnehin stark beanspruchten Pflegekräfte und die Verwaltung.
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