Zeiterfassung in Logistik und Spedition
Logistik und Spedition sind Branchen in Bewegung – im wörtlichen Sinn. Lagerarbeiter, Fahrer und Disponenten haben unterschiedliche Anforderungen an die Zeiterfassung. Wie bringt man alle unter einen Hut?
Das Wichtigste in Kürze
- Logistik erfordert verschiedene Erfassungsmethoden (Terminal, App, Tachograph)
- MiLoG-Dokumentationspflicht für die gesamte Branche
- Fahrer haben besondere Vorschriften (Lenk- und Ruhezeiten)
- Mobile Erfassung für Außendienst und Fahrer
- Integration mit Tourenplanung und Lohnbuchhaltung
Besonderheiten der Branche
Mitarbeitergruppen
| Gruppe | Arbeitsort | Erfassungsmethode |
|---|---|---|
| Lagerarbeiter | Stationär | Terminal |
| LKW-Fahrer | Mobil | Tachograph + App |
| Kurierfahrer | Mobil | App |
| Disponenten | Büro | PC-/App-Erfassung |
| Verwaltung | Büro | PC-/App-Erfassung |
Branchenspezifische Anforderungen
Gesetzlich:
- MiLoG-Dokumentationspflicht (Branche in § 2a SchwarzArbG genannt)
- Lenk- und Ruhezeiten für Fahrer
- Sonntagsfahrverbot (mit Ausnahmen)
Operativ:
- Schichtbetrieb (oft 24/7)
- Saisonale Schwankungen
- Hohe Flexibilitätsanforderungen
- Zeitkritische Prozesse
Hinweis
Logistik und Spedition gehören zu den Branchen mit besonderer MiLoG-Dokumentationspflicht. Die Zeiterfassung ist nicht nur sinnvoll, sondern gesetzlich vorgeschrieben.
Zeiterfassung im Lager
Anforderungen
Umgebung:
- Große Flächen
- Temperaturschwankungen (Kühl-/Tiefkühllager)
- Staub und Feuchtigkeit
- Handschuhe (Kühllager)
Arbeitsorganisation:
- Schichtbetrieb
- Flexible Arbeitszeiten
- Akkordbasierte Tätigkeiten
- Kommissionierung, Wareneingang, Versand
Empfohlene Lösung
Terminal am Eingang:
- RFID-Chips für schnelles Stempeln
- Industrieausführung (robust)
- Mehrere Terminals bei großen Lagern
Ergänzend:
- Handscanner mit Zeiterfassung
- Warenwirtschafts-Integration
Kommissionierung zuordnen
Option 1: Nur Anwesenheit Einfach, aber keine Zuordnung zu Aufträgen.
Option 2: Auftragsbezogen Zeiterfassung pro Kommissionierauftrag über Scanner oder Terminal.
Option 3: Bereichsbezogen Umstempeln beim Wechsel des Bereichs (Wareneingang, Lager, Versand).
Zeiterfassung für Fahrer
LKW-Fahrer
Besonderheit: Lenk- und Ruhezeiten unterliegen der EU-Verordnung 561/2006.
Dokumentation:
- Digitaler Tachograph (Pflicht)
- Fahrerkarte
- Manuelle Nachträge für sonstige Arbeitszeit
Arbeitszeit-Bestandteile:
- Lenkzeit: Am Steuer
- Andere Arbeitszeit: Laden/Entladen, Wartung, Dokumentation
- Bereitschaftszeit: Warten auf Verladung
- Pausen und Ruhezeiten
Integration: Tachograph-Daten können in Zeiterfassungssoftware übernommen werden.
Kurier- und Paketfahrer
Anforderungen:
- Viele kurze Stopps
- Schnelle Erfassung
- GPS-Tracking (mit Einwilligung)
Lösung:
- Smartphone-App
- Automatische Tourenerfassung
- Start/Stop pro Tour
Außendienstler und Monteure
Anforderungen:
- Wechselnde Einsatzorte
- Projektzuordnung
- Fahrzeiterfassung
Lösung:
- Mobile App
- Projekte/Kunden auswählen
- Fahrzeit separat erfassen
Tipp
Für LKW-Fahrer ist der digitale Tachograph die wichtigste Datenquelle. Eine gute Zeiterfassungslösung importiert diese Daten und ergänzt sie um sonstige Arbeitszeiten.
Lenk- und Ruhezeiten
Gesetzliche Vorgaben
Lenkzeit:
- Max. 9 Stunden täglich (2x pro Woche 10 Stunden)
- Max. 56 Stunden wöchentlich
- Max. 90 Stunden in zwei Wochen
Pausen:
- Nach 4,5 Stunden Lenkzeit: 45 Minuten
- Oder: 15 + 30 Minuten aufgeteilt
Ruhezeit:
- Täglich: 11 Stunden (3x pro Woche auf 9 Stunden verkürzbar)
- Wöchentlich: 45 Stunden (alle 2 Wochen auf 24 Stunden verkürzbar)
Dokumentation
| Zeitart | Erfassung |
|---|---|
| Lenkzeit | Tachograph (automatisch) |
| Andere Arbeitszeit | Tachograph (manuell) |
| Bereitschaftszeit | Tachograph (manuell) |
| Pausen/Ruhezeit | Tachograph (automatisch/manuell) |
Kontrollen
Mögliche Prüfer:
- BAG (Bundesamt für Güterverkehr)
- Polizei
- Gewerbeaufsicht
Nachweispflicht: Letzter 28 Tage auf der Fahrerkarte + Ausdrucke/Datensätze im Unternehmen.
Schichtbetrieb in der Logistik
Typische Modelle
2-Schicht-Modell:
- Frühschicht: 06:00-14:00
- Spätschicht: 14:00-22:00
3-Schicht-Modell (24/7):
- Frühschicht: 06:00-14:00
- Spätschicht: 14:00-22:00
- Nachtschicht: 22:00-06:00
Flexible Schichten:
- Kernzeit mit flexiblem Beginn/Ende
- Anpassung an Auftragsvolumen
Schichtplanung
Integration: Zeiterfassung sollte mit Schichtplanung verbunden sein:
- Soll-Ist-Vergleich
- Abweichungen erkennen
- Automatische Zuschlagsberechnung
Saisonale Schwankungen
Herausforderung:
- Weihnachtsgeschäft
- Black Friday
- Sommer (Urlaubsvertretung)
Lösung:
- Flexible Arbeitszeitkonten
- Aushilfen mit separater Erfassung
- Überstundenregelung
MiLoG-Dokumentation
Pflichten
§ 17 MiLoG für Logistik:
- Arbeitszeitaufzeichnung Pflicht
- Spätestens 7 Tage nach Arbeitsleistung
- Aufbewahrung 2 Jahre
Zu dokumentieren:
- Beginn der Arbeitszeit
- Ende der Arbeitszeit
- Dauer der Arbeitszeit
- Name des Arbeitnehmers
Besonderheiten bei Fahrern
Abgrenzung: Lenkzeiten sind dokumentiert (Tachograph), aber:
- Andere Arbeitszeiten (Laden, Warten) müssen separat erfasst werden
- Gesamtarbeitszeit für MiLoG relevant
Kontrollen
Zuständig: Zoll (Finanzkontrolle Schwarzarbeit)
Bußgelder: Bis zu 30.000 € bei Verstößen.
Hinweis
Der Tachograph ersetzt nicht die MiLoG-Dokumentation vollständig. Andere Arbeitszeiten wie Laden, Entladen und Warten müssen zusätzlich erfasst werden.
Integration und Schnittstellen
Wichtige Systeme
| System | Integration |
|---|---|
| Tachograph/Telematik | Lenkzeiten importieren |
| Warenwirtschaft | Aufträge zuordnen |
| Tourenplanung | Soll-Zeiten übernehmen |
| Lohnbuchhaltung | Zeiten exportieren |
| Fuhrparkverwaltung | Fahrzeugzeiten |
Tachograph-Integration
Möglichkeiten:
- Download der Fahrerkarte
- Remote-Auslesen via Telematik
- Import in Zeiterfassung
Vorteile:
- Keine doppelte Erfassung
- Lückenlose Dokumentation
- Automatische Auswertung
Tourenplanung-Integration
Nutzen:
- Soll-Zeiten aus Tourenplanung
- Vergleich mit Ist-Zeiten
- Abweichungsanalyse
- Optimierung der Planung
Mobile Zeiterfassung
Anforderungen an die App
Funktionen: ☐ Einfaches Stempeln (Kommen/Gehen) ☐ Projektzuordnung (Touren, Kunden) ☐ Offline-Fähigkeit ☐ Standorterfassung (optional, mit Einwilligung) ☐ Fahrtenbuch-Integration ☐ Pausenerfassung
GPS-Tracking
Vorteile:
- Nachvollziehbare Touren
- Automatische Fahrtzeiterfassung
- Optimierung von Routen
Rechtlich:
- Nur mit Einwilligung
- Nur für dienstliche Fahrten
- Keine Privatfahrten tracken
- Betriebsrat einbeziehen
Offline-Betrieb
Wichtig: In Kellern, Lagern und auf dem Land oft kein Netz.
Lösung: App speichert lokal, synchronisiert bei Verbindung.
Auswertungen für die Logistik
Operative Kennzahlen
| Kennzahl | Nutzen |
|---|---|
| Produktivität pro Tour | Tourenplanung optimieren |
| Überstundenquote | Personalkapazität planen |
| Schichtauslastung | Schichten anpassen |
| Fahrzeit vs. Arbeitszeit | Effizienz analysieren |
Compliance-Reports
Wichtig für Prüfungen:
- MiLoG-Dokumentation vollständig
- Lenk- und Ruhezeiten eingehalten
- Arbeitszeitgrenzen beachtet
Kostenanalyse
Personalkosten zuordnen:
- Pro Tour
- Pro Kunde
- Pro Abteilung
Häufige Fragen zur Logistik-Zeiterfassung
Fazit
Zeiterfassung in Logistik und Spedition muss verschiedene Mitarbeitergruppen und Anforderungen abdecken: stationäre Lagerarbeiter, mobile Fahrer, gesetzliche Dokumentationspflichten. Die richtige Lösung kombiniert Terminals, Mobile Apps und Tachograph-Integration – und liefert Daten für Lohnabrechnung, Compliance und Optimierung.
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