Kfz-Werkstatt: Arbeitswerte (AWE) & Zeiterfassung
Die Kfz-Branche hat mit Arbeitswerteinheiten (AWE) ein eigenes System zur Zeitbemessung. Trotzdem muss auch die tatsächliche Arbeitszeit der Mitarbeiter erfasst werden – für Arbeitszeitgesetz, Lohnabrechnung und Produktivitätsmessung.
Das Wichtigste in Kürze
- Arbeitswerte (AWE) und tatsächliche Arbeitszeit sind unterschiedliche Größen
- Produktivitätskennzahlen basieren auf beiden Werten
- Zeiterfassung ist unabhängig von der Auftragszeitvorgabe nötig
- Integration mit Dealer Management System (DMS) sinnvoll
- Serviceberater, Mechaniker und Teileverkauf haben unterschiedliche Anforderungen
Arbeitswerte (AWE) in der Kfz-Werkstatt vs. Arbeitszeit
Was sind Arbeitswerte?
Arbeitswerte (AWE) oder Arbeitszeiteinheiten (AZE) sind Vorgabezeiten für Reparaturen:
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Arbeitswert (AWE) | Normierte Zeit für eine Reparatur |
| Richtzeit | Hersteller-Vorgabe für Arbeit |
| Flat Rate | Pauschale Zeitvorgabe |
Wie viele Minuten einem Arbeitswert entsprechen, hängt vom verwendeten Hersteller- oder Kalkulationssystem ab. Deshalb sollten Betriebe die hinterlegte Umrechnung prüfen und AWE sowie tatsächlich benötigte Zeit getrennt auswerten.
Warum trotzdem Zeiterfassung?
Auch wenn AWE die Kundenrechnung bestimmen:
- Arbeitszeitgesetz: Tatsächliche Anwesenheit zählt
- Lohnabrechnung: Bezahlung nach Anwesenheitszeit
- Produktivität: Verhältnis AWE zu Arbeitszeit
Produktivitätskennzahlen
Wichtige Kennzahlen in der Kfz-Werkstatt:
| Kennzahl | Formel |
|---|---|
| Anwesenheitsgrad | Anwesenheit / Sollarbeitszeit |
| Nutzungsgrad | Produktivstunden / Anwesenheit |
| Leistungsgrad | Fakturierte AWE / Produktivstunden |
| Produktivität | Leistungsgrad × Nutzungsgrad |
Zeiterfassung für Kfz-Betriebe
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- Keine Einrichtung nötig
Zeiterfassung in der Werkstatt
Stationäre Terminals
In der Werkstatt bieten sich an:
| Standort | Zweck |
|---|---|
| Werkstatteingang | Ein-/Ausstempeln |
| Meisterbüro | Auftragsstart/-ende |
| Direktannahme | Kundenauftrag starten |
Auftragsbezogene Erfassung
Für Produktivitätsmessung sollten Zeiten Aufträgen zugeordnet werden:
- Auftrag beginnen (Kommen an Fahrzeug)
- Auftrag beenden (Fertigmeldung)
- Unterbrechungen (Ersatzteil fehlt, Rücksprache)
Typischer Werkstatttag
- 7:00 Einstempeln (Werkstatt)
- 7:05 Tagesaufträge prüfen
- 7:15 Auftrag 1 beginnen (Fahrzeug A)
- 8:30 Auftrag 1 beenden
- 8:35 Auftrag 2 beginnen (Fahrzeug B)
- 12:00 Auftrag unterbrechen
- 12:30 Pause
- 13:00 Auftrag fortsetzen
- 15:00 Auftrag 2 beenden
- 15:10 Auftrag 3 beginnen (Schnellservice)
- 15:45 Auftrag 3 beenden
- 16:30 Ausstempeln
Verschiedene Arbeitsbereiche
Serviceberater
Serviceberater haben andere Erfassungsbedürfnisse:
- Normale Arbeitszeit (kein AWE-Bezug)
- Ggf. Kundentermine erfassen
- Gleitzeit oder feste Arbeitszeit
Mechaniker
Kernbereich der Zeiterfassung:
- Anwesenheitszeit für Lohn
- Auftragsbezogene Zeit für Produktivität
- Unterscheidung: Produktiv vs. unproduktiv
Teileverkauf
Im Ersatzteilbereich:
- Normale Arbeitszeiterfassung
- Ggf. Verkaufsgespräche zuordnen
- Lagertätigkeiten
Auszubildende
Besonderheiten bei Auszubildenden:
- Berufsschulzeit erfassen
- Ausbildungstätigkeiten vs. Produktivarbeit
- Jugendarbeitsschutz (bei Minderjährigen)
Unproduktive Zeiten
Was sind unproduktive Zeiten?
Zeiten ohne Auftragsbezug:
| Art | Beispiele |
|---|---|
| Produktiv | Arbeit am Kundenauftrag |
| Unproduktiv direkt | Werkzeugpflege, Aufräumen |
| Unproduktiv indirekt | Besprechungen, Schulungen |
| Warten | Ersatzteil fehlt, Kunde kommt nicht |
Erfassung und Analyse
Unproduktive Zeiten sollten erfasst werden:
- Gründe dokumentieren
- Muster erkennen (Ersatzteil-Probleme?)
- Optimierungspotenzial finden
Produktivität steigern
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Integration mit DMS
Dealer Management System
Viele Kfz-Betriebe nutzen ein DMS:
- Aufträge werden im DMS angelegt
- AWE-Vorgaben aus Hersteller-Daten
- Kundenrechnung aus DMS
Zeiterfassung und DMS
Ideale Kombination:
- Aufträge aus DMS in Zeiterfassung übernehmen
- Tatsächliche Arbeitszeit zurückmelden
- Produktivitätskennzahlen berechnen
Schnittstellen
Typische Anbindungen:
- DMS der großen Hersteller
- Branchensoftware für freie Werkstätten
- Lohnbuchhaltungssoftware
Schichtbetrieb
Erweiterte Öffnungszeiten
Manche Kfz-Betriebe haben Schichtbetrieb:
- Frühschicht (6:00 - 14:00)
- Spätschicht (14:00 - 22:00)
- Samstagsarbeit
Zeiterfassung bei Schichtarbeit
Anforderungen:
- Schichtzuschläge automatisch berechnen
- Übergaben dokumentieren
- Mehrarbeit erkennen
Arbeitswerte-Kfz-Tabelle richtig lesen
Eine Arbeitswerte-Tabelle enthält Soll- oder Richtzeiten für definierte Reparaturpositionen. Sie beantwortet nicht, wie lange ein bestimmter Mechaniker tatsächlich an einem Fahrzeug gearbeitet hat. Außerdem kann die Umrechnung eines Arbeitswerts je nach Hersteller, Datenanbieter oder betrieblichem Kalkulationssystem unterschiedlich definiert sein. Vor jeder Auswertung muss deshalb feststehen, welche Einheit die Tabelle verwendet.
| Wert | Aussage | Typische Quelle |
|---|---|---|
| Arbeitswert oder AWE | Vorgabe für einen bestimmten Arbeitsschritt | Hersteller- oder Kalkulationssystem |
| Fakturierte Zeit | Zeitbasis der Kundenrechnung | Werkstattauftrag und DMS |
| Produktivzeit | Tatsächlich einem Auftrag zugeordnete Arbeitszeit | Auftragsbezogene Zeiterfassung |
| Anwesenheitszeit | Gesamte erfasste Arbeitszeit einschließlich indirekter Tätigkeiten | Personalzeiterfassung |
Für eine belastbare Kennzahl müssen Einheit und Zeitraum zusammenpassen. AWE dürfen nicht direkt mit Stunden verglichen werden, bevor sie nach der im Betrieb verwendeten Definition umgerechnet wurden. Stornierte Positionen, Garantiearbeiten und Kulanz sollten ebenfalls getrennt sichtbar bleiben. Sonst wirkt die Produktivität schlechter oder besser, obwohl sich nur die Abrechnung geändert hat.
Beispiel für eine Soll-Ist-Auswertung
Angenommen, ein Auftrag enthält nach der betrieblichen Umrechnung 2,0 Sollstunden. Der Mechaniker bucht 2,5 Stunden produktive Zeit. Daraus ergibt sich eine Abweichung von 0,5 Stunden. Diese Differenz ist zunächst ein Signal, kein Beweis für zu langsame Arbeit.
| Prüffrage | Mögliche Erklärung |
|---|---|
| War die Diagnose Teil der Vorgabezeit? | Zusätzliche Fehlersuche kann separat zu erfassen sein |
| Gab es Wartezeit? | Ersatzteil, Freigabe oder Werkzeug haben den Auftrag unterbrochen |
| Wurde parallel gearbeitet? | Ein Mechaniker kann mehrere laufende Aufträge betreuen |
| War die Vorgabe passend? | Fahrzeugzustand oder Korrosion können Mehraufwand verursachen |
| Wurde alles richtig gebucht? | Vergessene Auftragswechsel verfälschen die Ist-Zeit |
Erst wenn die Ursache bekannt ist, lässt sich entscheiden, ob Prozess, Kalkulation oder Buchung verbessert werden muss. Eine auftragsbezogene Projektzeiterfassung sollte deshalb Unterbrechungsgründe ermöglichen, ohne für jeden Handgriff einen eigenen Code zu verlangen.
Zwei Zeitkonten statt einer vermischten Kennzahl
Die Personalzeit beginnt mit dem Arbeitsantritt und endet mit dem Feierabend. Darin liegen auch Besprechung, Werkzeugpflege, Weiterbildung und andere betriebliche Tätigkeiten. Die Auftragszeit läuft dagegen nur auf dem konkreten Werkstattauftrag. Beide Werte haben unterschiedliche Zwecke und sollten im System getrennt bleiben.
Eine typische Buchungslogik sieht so aus:
- Der Mechaniker stempelt sich zu Arbeitsbeginn in die Personalzeit ein.
- Am Fahrzeug startet er den Werkstattauftrag oder scannt die Auftragsnummer.
- Bei Teilemangel beendet oder pausiert er die Auftragszeit mit einem verständlichen Grund.
- Nach Fertigstellung beendet er den Auftrag, bleibt aber bis zum tatsächlichen Feierabend in der Personalzeit.
- Das Büro vergleicht freigegebene Auftragssummen mit Anwesenheit und Abwesenheiten.
Diese Trennung verhindert, dass eine Pause oder Schulung versehentlich einem Kunden berechnet wird. Gleichzeitig bleibt sichtbar, welche indirekten Zeiten für einen funktionierenden Werkstattbetrieb notwendig sind.
Anforderungen an Software und DMS-Schnittstelle
Eine Zeiterfassung für Kfz-Werkstätten sollte Auftragsnummer, Mitarbeiter, Start, Ende, Unterbrechungsgrund und Freigabestatus verarbeiten können. Werden Aufträge bereits im DMS gepflegt, sollte die Zeiterfassung Stammdaten übernehmen, statt Fahrzeug und Kunde doppelt anzulegen. Grundlagen für den Datenaustausch beschreibt der Ratgeber zu Schnittstellen in der Zeiterfassung.
Vor dem Kauf sollte der Betrieb einen realen Ablauf testen: Auftrag im DMS anlegen, am Terminal starten, unterbrechen, einem zweiten Mitarbeiter zuweisen, abschließen und an das DMS zurückmelden. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Schnittstelle beworben wird, sondern welche Felder tatsächlich in beide Richtungen fließen und wie Fehler angezeigt werden.
Zum Test gehören auch Sonderfälle: ein Auftrag mit zwei Mechanikern, ein Fahrzeugwechsel während der Diagnose, eine nachträgliche Korrektur und eine ausgefallene Verbindung zum DMS. Das System sollte offene Buchungen deutlich anzeigen und verhindern, dass dieselbe Zeit unbemerkt zwei Aufträgen zugerechnet wird. Ein nachvollziehbares Protokoll zeigt anschließend, wer einen Wert geändert oder freigegeben hat.
Für kleinere freie Werkstätten kann ein einfacher, regelmäßig geprüfter und strukturierter Export bereits ausreichen. Wichtig bleibt, dass Personalzeit, produktive Auftragszeit und fakturierte AWE nicht zu einer einzigen Zahl verschmelzen. Weitere branchentypische Auswahlkriterien finden sich im Überblick zur Zeiterfassung für Handwerksbetriebe.
Häufige Fragen
Fazit
In der Kfz-Werkstatt ergänzt die Zeiterfassung das AWE-System. Während Arbeitswerte die Kundenrechnung bestimmen, ist die tatsächliche Arbeitszeit Grundlage für Lohn, Arbeitsrecht und Produktivitätsmessung. Eine Integration mit dem DMS spart Aufwand und liefert aussagekräftige Kennzahlen für die Werkstattsteuerung.
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