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Gesichtserkennung zur Zeiterfassung: Zukunft oder Risiko?

Zeiterfassung per Gesichtserkennung: Wie funktioniert Face ID am Terminal? Vorteile, Datenschutz und rechtliche Grenzen.

6 Min. Lesezeit
Mitarbeiter am biometrischen Terminal mit Gesichtserkennung

Gesichtserkennung zur Zeiterfassung: Zukunft oder Risiko?

Kein Chip, kein Code, kein Fingerabdruck – einfach hinstellen und gestempelt. Gesichtserkennung verspricht maximalen Komfort bei der Zeiterfassung. Doch die Technologie bringt erhebliche Datenschutzfragen mit sich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gesichtserkennung ist biometrische Datenverarbeitung
  • DSGVO: Besonders sensible Daten mit hohen Anforderungen
  • Freiwillige, informierte Einwilligung erforderlich
  • Betriebsrat hat Mitbestimmungsrecht
  • Alternativen müssen angeboten werden
  • Technisch ausgereift, rechtlich komplex

Wie funktioniert Gesichtserkennung?

Die Technologie

Biometrische Erfassung:

SchrittBeschreibung
ErfassungKamera nimmt Gesicht auf
AnalyseSoftware erkennt Merkmale
TemplateMathematisches Muster erstellt
VergleichMit gespeichertem Template
ErgebnisIdentifikation oder Ablehnung

Gesichtsmerkmale

Was die Software analysiert:

  • Abstände – Augen zueinander
  • Nase zu Mund
  • Stirn zu Kinn
  • Formen – Gesichtskontur
  • Augenbrauen
  • Nasenform
  • Besonderheiten – Markante Punkte
  • Proportionen

Arten der Erkennung

Verschiedene Verfahren:

MethodeBeschreibungSicherheit
2D-ErkennungFlaches FotoNiedriger
3D-ErkennungTiefenmessungHöher
InfrarotWärmebildSehr hoch
Live-DetectionBewegung erkennenAnti-Spoofing

Einfachere Alternative

MyTimeTracker bietet sichere Zeiterfassung ohne biometrische Daten – per App, Web oder NFC.

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Vorteile der Gesichtserkennung

Für das Unternehmen

Mögliche Vorteile:

VorteilBeschreibung
Kein Buddy-PunchingKollege kann nicht für anderen stempeln
Keine verlorenen ChipsKeine Ersatzbeschaffung
Schneller DurchsatzKeine Aktion nötig
HygienischKontaktlos

Für Mitarbeiter

Theoretische Vorteile:

  • Nichts mitbringen müssen
  • Schnell und bequem
  • Kein PIN merken
  • Keine Chipkarte vergessen

In der Praxis

Einschränkungen:

  • Veränderungen – Bart wächst/ab
  • Brille neu/weg
  • Frisur geändert
  • Umgebung – Lichtverhältnisse
  • Hintergrund
  • Technik – False Positives
  • False Negatives
  • Akzeptanz – Mitarbeiter-Bedenken

Datenschutz: Das Kernproblem

Biometrische Daten nach DSGVO

Rechtliche Einordnung:

AspektBedeutung
Art. 9 DSGVOBesondere Datenkategorien
VerarbeitungGrundsätzlich verboten
AusnahmeNur mit Einwilligung oder Rechtsgrundlage
AnforderungenBesonders streng

Was das bedeutet

Konsequenzen für Arbeitgeber:

  • Rechtsgrundlage – Ausdrückliche Einwilligung
  • Wirklich freiwillig
  • Jederzeit widerrufbar
  • Verhältnismäßigkeit – Ist Biometrie erforderlich?
  • Gibt es mildere Mittel?
  • Technische Maßnahmen – Verschlüsselung
  • Zugriffskontrolle
  • Löschkonzept
  • Dokumentation – Datenschutz-Folgenabschätzung
  • Verarbeitungsverzeichnis

Freiwilligkeit im Arbeitsverhältnis

Das Problem:

  • Arbeitnehmer sind wirtschaftlich abhängig
  • Echte Freiwilligkeit fraglich
  • Druck durch Arbeitgeber möglich
  • Behörden sehen das kritisch

Rechtliche Anforderungen

Einwilligung

Was erforderlich ist:

AnforderungBeschreibung
AusdrücklichSchriftlich oder digital dokumentiert
InformiertMitarbeiter muss verstehen, was passiert
FreiwilligKeine Nachteile bei Ablehnung
ZweckgebundenNur für Zeiterfassung
WiderrufbarJederzeit und ohne Begründung

Alternative anbieten

Pflicht:

  • Chipkarte
  • PIN-Eingabe
  • App-Stempeln
  • Web-Portal
  • Manuelle Erfassung

Betriebsrat

Mitbestimmung nach § 87 BetrVG:

GrundBegründung
ÜberwachungBiometrische Kontrolle
OrdnungRegelung im Betrieb
TechnikTechnische Einrichtung

Ohne Betriebsvereinbarung → Keine Einführung!

Ohne Biometrie-Risiko

MyTimeTracker erfasst Arbeitszeiten datenschutzkonform – ganz ohne biometrische Daten.

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Datenschutz-Folgenabschätzung

Pflicht bei Biometrie

Art. 35 DSGVO verlangt:

ElementInhalt
BeschreibungWas wird verarbeitet?
NotwendigkeitWarum Biometrie?
RisikenWelche Gefahren?
MaßnahmenWie schützen wir die Daten?

Risikoanalyse

Typische Risiken:

  • Datenmissbrauch – Unbefugter Zugriff
  • Zweckentfremdung
  • Datenverlust – Diebstahl
  • Technischer Fehler
  • Persönlichkeitsrecht – Überwachungsgefühl
  • Kontrollverlust
  • Diskriminierung – Fehlerhafte Erkennung
  • Bias in der Software

Schutzmaßnahmen

Was umgesetzt werden muss:

MaßnahmeBeschreibung
VerschlüsselungTemplates verschlüsselt speichern
ZugriffskontrolleNur autorisierte Personen
ProtokollierungWer hat wann zugegriffen?
LöschungNach Ausscheiden sofort löschen
Lokale SpeicherungNicht in der Cloud

Alternativen zur Gesichtserkennung

Vergleich der Methoden

Übersicht:

MethodeSicherheitDatenschutzKomfort
GesichtserkennungHochKritischHoch
FingerabdruckHochKritischMittel
NFC/RFIDMittelUnbedenklichHoch
PIN-CodeNiedrigUnbedenklichMittel
App + GPSMittelMittelHoch

Empfehlung

Für die meisten Unternehmen:

  • NFC-Karte am Terminal – Sicher, schnell, datenschutzkonform
  • Smartphone-App – Flexibel, keine Hardware-Kosten
  • Web-Portal – Für Büroarbeitsplätze ideal
  • Kombination – Je nach Arbeitsplatz unterschiedlich

Wenn Sie Gesichtserkennung einführen wollen

Checkliste

Voraussetzungen prüfen:

SchrittBeschreibung
NotwendigkeitGibt es zwingende Gründe für Biometrie?
AlternativenWarum reichen andere Methoden nicht?
BetriebsratMitbestimmung einholen
DSFADatenschutz-Folgenabschätzung durchführen
EinwilligungFreiwillige Zustimmung vorbereiten
AlternativenNicht-biometrische Option anbieten
TechnischHöchste Sicherheitsstandards
DokumentationAlles schriftlich festhalten

Technische Anforderungen

Was das System können muss:

  • Speicherung – Nur Templates, keine Fotos
  • Verschlüsselt
  • Lokal, nicht Cloud
  • Verarbeitung – Auf dem Gerät
  • Keine Übertragung von Bildern
  • Löschung – Automatisch bei Ausscheiden
  • Auf Widerruf sofort
  • Sicherheit – Anti-Spoofing
  • Regelmäßige Updates

Häufige Fragen

Nur unter strengen Voraussetzungen. Es muss eine freiwillige, informierte Einwilligung vorliegen, Alternativen müssen angeboten werden, und der Betriebsrat muss zustimmen. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung ist Pflicht. Viele Datenschützer sehen die Freiwilligkeit im Arbeitsverhältnis kritisch.
Ja, und Sie dürfen deshalb keine Nachteile erleiden. Der Arbeitgeber muss Ihnen eine Alternative anbieten – zum Beispiel Chipkarte, PIN oder App. Verweigern Sie die Einwilligung, muss der Arbeitgeber diese Alternative ohne Benachteiligung ermöglichen.
Technisch ja – Gesichtserkennung verhindert Buddy-Punching. Aber das Datenschutzrisiko ist ungleich höher. Biometrische Daten können nicht geändert werden. Werden sie kompromittiert, ist das dauerhaft. Eine Chipkarte kann man ersetzen, das Gesicht nicht.
Sie müssen sofort gelöscht werden. Der Arbeitgeber muss nachweisen können, dass die Löschung erfolgt ist. Bitten Sie schriftlich um Bestätigung. Die Löschpflicht ergibt sich direkt aus der DSGVO.
Technisch möglich, aber für Zeiterfassung weder erlaubt noch nötig. Emotionserkennung würde die Persönlichkeitsrechte massiv verletzen und ist ohne Rechtsgrundlage verboten. Ein reines Zeiterfassungssystem darf nur identifizieren, nicht analysieren.

Fazit

Gesichtserkennung zur Zeiterfassung ist technisch ausgereift, rechtlich aber hochproblematisch. Die DSGVO stellt hohe Hürden auf, echte Freiwilligkeit im Arbeitsverhältnis ist fraglich, und der Nutzen steht selten im Verhältnis zum Aufwand. Für die allermeisten Unternehmen sind datenschutzfreundliche Alternativen wie NFC-Karten oder Apps die bessere Wahl – sie erfüllen denselben Zweck ohne biometrische Datenverarbeitung.

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