Gesichtserkennung zur Zeiterfassung: Zukunft oder Risiko?
Kein Chip, kein Code, kein Fingerabdruck – einfach hinstellen und gestempelt. Gesichtserkennung verspricht maximalen Komfort bei der Zeiterfassung. Doch die Technologie bringt erhebliche Datenschutzfragen mit sich.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesichtserkennung ist biometrische Datenverarbeitung
- DSGVO: Besonders sensible Daten mit hohen Anforderungen
- Freiwillige, informierte Einwilligung erforderlich
- Betriebsrat hat Mitbestimmungsrecht
- Alternativen müssen angeboten werden
- Technisch ausgereift, rechtlich komplex
Wie funktioniert Gesichtserkennung?
Die Technologie
Biometrische Erfassung:
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| Erfassung | Kamera nimmt Gesicht auf |
| Analyse | Software erkennt Merkmale |
| Template | Mathematisches Muster erstellt |
| Vergleich | Mit gespeichertem Template |
| Ergebnis | Identifikation oder Ablehnung |
Gesichtsmerkmale
Was die Software analysiert:
- Abstände – Augen zueinander
- Nase zu Mund
- Stirn zu Kinn
- Formen – Gesichtskontur
- Augenbrauen
- Nasenform
- Besonderheiten – Markante Punkte
- Proportionen
Arten der Erkennung
Verschiedene Verfahren:
| Methode | Beschreibung | Sicherheit |
|---|---|---|
| 2D-Erkennung | Flaches Foto | Niedriger |
| 3D-Erkennung | Tiefenmessung | Höher |
| Infrarot | Wärmebild | Sehr hoch |
| Live-Detection | Bewegung erkennen | Anti-Spoofing |
Einfachere Alternative
MyTimeTracker bietet sichere Zeiterfassung ohne biometrische Daten – per App, Web oder NFC.
- Sofort einsatzbereit
- DSGVO-konform
- Keine Einrichtung nötig
Vorteile der Gesichtserkennung
Für das Unternehmen
Mögliche Vorteile:
| Vorteil | Beschreibung |
|---|---|
| Kein Buddy-Punching | Kollege kann nicht für anderen stempeln |
| Keine verlorenen Chips | Keine Ersatzbeschaffung |
| Schneller Durchsatz | Keine Aktion nötig |
| Hygienisch | Kontaktlos |
Für Mitarbeiter
Theoretische Vorteile:
- Nichts mitbringen müssen
- Schnell und bequem
- Kein PIN merken
- Keine Chipkarte vergessen
In der Praxis
Einschränkungen:
- Veränderungen – Bart wächst/ab
- Brille neu/weg
- Frisur geändert
- Umgebung – Lichtverhältnisse
- Hintergrund
- Technik – False Positives
- False Negatives
- Akzeptanz – Mitarbeiter-Bedenken
Datenschutz: Das Kernproblem
Biometrische Daten nach DSGVO
Rechtliche Einordnung:
| Aspekt | Bedeutung |
|---|---|
| Art. 9 DSGVO | Besondere Datenkategorien |
| Verarbeitung | Grundsätzlich verboten |
| Ausnahme | Nur mit Einwilligung oder Rechtsgrundlage |
| Anforderungen | Besonders streng |
Was das bedeutet
Konsequenzen für Arbeitgeber:
- Rechtsgrundlage – Ausdrückliche Einwilligung
- Wirklich freiwillig
- Jederzeit widerrufbar
- Verhältnismäßigkeit – Ist Biometrie erforderlich?
- Gibt es mildere Mittel?
- Technische Maßnahmen – Verschlüsselung
- Zugriffskontrolle
- Löschkonzept
- Dokumentation – Datenschutz-Folgenabschätzung
- Verarbeitungsverzeichnis
Freiwilligkeit im Arbeitsverhältnis
Das Problem:
- Arbeitnehmer sind wirtschaftlich abhängig
- Echte Freiwilligkeit fraglich
- Druck durch Arbeitgeber möglich
- Behörden sehen das kritisch
Rechtliche Anforderungen
Einwilligung
Was erforderlich ist:
| Anforderung | Beschreibung |
|---|---|
| Ausdrücklich | Schriftlich oder digital dokumentiert |
| Informiert | Mitarbeiter muss verstehen, was passiert |
| Freiwillig | Keine Nachteile bei Ablehnung |
| Zweckgebunden | Nur für Zeiterfassung |
| Widerrufbar | Jederzeit und ohne Begründung |
Alternative anbieten
Pflicht:
- Chipkarte
- PIN-Eingabe
- App-Stempeln
- Web-Portal
- Manuelle Erfassung
Betriebsrat
Mitbestimmung nach § 87 BetrVG:
| Grund | Begründung |
|---|---|
| Überwachung | Biometrische Kontrolle |
| Ordnung | Regelung im Betrieb |
| Technik | Technische Einrichtung |
Ohne Betriebsvereinbarung → Keine Einführung!
Ohne Biometrie-Risiko
MyTimeTracker erfasst Arbeitszeiten datenschutzkonform – ganz ohne biometrische Daten.
- Sofort einsatzbereit
- DSGVO-konform
- Keine Einrichtung nötig
Datenschutz-Folgenabschätzung
Pflicht bei Biometrie
Art. 35 DSGVO verlangt:
| Element | Inhalt |
|---|---|
| Beschreibung | Was wird verarbeitet? |
| Notwendigkeit | Warum Biometrie? |
| Risiken | Welche Gefahren? |
| Maßnahmen | Wie schützen wir die Daten? |
Risikoanalyse
Typische Risiken:
- Datenmissbrauch – Unbefugter Zugriff
- Zweckentfremdung
- Datenverlust – Diebstahl
- Technischer Fehler
- Persönlichkeitsrecht – Überwachungsgefühl
- Kontrollverlust
- Diskriminierung – Fehlerhafte Erkennung
- Bias in der Software
Schutzmaßnahmen
Was umgesetzt werden muss:
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Verschlüsselung | Templates verschlüsselt speichern |
| Zugriffskontrolle | Nur autorisierte Personen |
| Protokollierung | Wer hat wann zugegriffen? |
| Löschung | Nach Ausscheiden sofort löschen |
| Lokale Speicherung | Nicht in der Cloud |
Alternativen zur Gesichtserkennung
Vergleich der Methoden
Übersicht:
| Methode | Sicherheit | Datenschutz | Komfort |
|---|---|---|---|
| Gesichtserkennung | Hoch | Kritisch | Hoch |
| Fingerabdruck | Hoch | Kritisch | Mittel |
| NFC/RFID | Mittel | Unbedenklich | Hoch |
| PIN-Code | Niedrig | Unbedenklich | Mittel |
| App + GPS | Mittel | Mittel | Hoch |
Empfehlung
Für die meisten Unternehmen:
- NFC-Karte am Terminal – Sicher, schnell, datenschutzkonform
- Smartphone-App – Flexibel, keine Hardware-Kosten
- Web-Portal – Für Büroarbeitsplätze ideal
- Kombination – Je nach Arbeitsplatz unterschiedlich
Wenn Sie Gesichtserkennung einführen wollen
Checkliste
Voraussetzungen prüfen:
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| Notwendigkeit | Gibt es zwingende Gründe für Biometrie? |
| Alternativen | Warum reichen andere Methoden nicht? |
| Betriebsrat | Mitbestimmung einholen |
| DSFA | Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen |
| Einwilligung | Freiwillige Zustimmung vorbereiten |
| Alternativen | Nicht-biometrische Option anbieten |
| Technisch | Höchste Sicherheitsstandards |
| Dokumentation | Alles schriftlich festhalten |
Technische Anforderungen
Was das System können muss:
- Speicherung – Nur Templates, keine Fotos
- Verschlüsselt
- Lokal, nicht Cloud
- Verarbeitung – Auf dem Gerät
- Keine Übertragung von Bildern
- Löschung – Automatisch bei Ausscheiden
- Auf Widerruf sofort
- Sicherheit – Anti-Spoofing
- Regelmäßige Updates
Häufige Fragen
Fazit
Gesichtserkennung zur Zeiterfassung ist technisch ausgereift, rechtlich aber hochproblematisch. Die DSGVO stellt hohe Hürden auf, echte Freiwilligkeit im Arbeitsverhältnis ist fraglich, und der Nutzen steht selten im Verhältnis zum Aufwand. Für die allermeisten Unternehmen sind datenschutzfreundliche Alternativen wie NFC-Karten oder Apps die bessere Wahl – sie erfüllen denselben Zweck ohne biometrische Datenverarbeitung.
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