Stundensatz berechnen: Mit Zeiterfassung zur Kalkulation
Ein korrekter Stundensatz entscheidet über die Wirtschaftlichkeit von Projekten und Dienstleistungen. Ohne präzise Zeiterfassung bleibt die Kalkulation Schätzarbeit. Erst die systematische Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeiten ermöglicht eine fundierte Preisgestaltung.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stundensatz setzt sich aus Personalkosten, Gemeinkosten und Gewinnmarge zusammen
- Zeiterfassung liefert die Datenbasis für realistische Kalkulationen
- Die Unterscheidung zwischen produktiven und unproduktiven Stunden ist entscheidend
- Regelmäßige Nachkalkulation zeigt, ob der Stundensatz stimmt
- Branchenübliche Sätze dienen als Orientierung, nicht als Maßstab
Grundlagen der Stundensatzkalkulation
Die Kostenbestandteile
Ein vollständiger Stundensatz berücksichtigt alle anfallenden Kosten:
Direkte Personalkosten:
- Bruttogehalt
- Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung
- Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld
- Betriebliche Altersvorsorge
Gemeinkosten (anteilig):
- Miete und Nebenkosten
- IT-Infrastruktur
- Versicherungen
- Verwaltung und Buchhaltung
- Marketing und Vertrieb
Gewinnmarge:
- Risikopuffer
- Investitionsrücklage
- Gewinn
Die Formel
Die Grundformel für den Stundensatz:
Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten + Gewinn) / produktive Stunden
Der entscheidende Faktor: Die produktiven Stunden. Hier liefert die Zeiterfassung die notwendigen Daten.
Produktive vs. unproduktive Stunden
Was sind produktive Stunden?
Produktive Stunden sind Arbeitszeiten, die direkt einem Projekt oder Kunden zugeordnet werden können:
- Direkte Projektarbeit
- Kundenmeetings
- Dokumentation für den Kunden
- Qualitätssicherung
Unproduktive Stunden
Diese Zeiten sind notwendig, aber nicht direkt abrechenbar:
- Interne Meetings
- Weiterbildung
- Akquise
- Administration
- Krankheit und Urlaub
Die Auslastungsquote
Die Auslastungsquote zeigt das Verhältnis:
| Bereich | Typische Auslastung |
|---|---|
| Agenturen | 60-75% |
| Beratung | 65-80% |
| IT-Dienstleister | 70-85% |
| Handwerk | 75-90% |
Bei 70% Auslastung sind von 1.760 Jahresarbeitsstunden nur 1.232 produktiv – der Stundensatz muss entsprechend höher angesetzt werden.
Zeiterfassung als Kalkulationsbasis
Welche Daten liefert die Zeiterfassung?
Eine projektbezogene Zeiterfassung erfasst:
- Tatsächliche Arbeitszeiten pro Projekt
- Aufwand für verschiedene Tätigkeitsarten
- Verhältnis produktive/unproduktive Zeit
- Abweichungen von Schätzungen
Von der Schätzung zur Realität
Ohne Zeiterfassung basiert die Kalkulation auf Annahmen:
| Ohne Zeiterfassung | Mit Zeiterfassung |
|---|---|
| Geschätzte Projektdauer | Tatsächliche Dauer |
| Angenommene Auslastung | Gemessene Auslastung |
| Vermutete Gemeinkosten | Reale Verteilung |
| Gefühlte Profitabilität | Berechnete Marge |
Zeiten erfassen, Stundensätze optimieren
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Berechnungsbeispiel
Schritt 1: Personalkosten ermitteln
Beispiel für einen Mitarbeiter:
- Bruttogehalt: 4.500 €/Monat
- Arbeitgeberanteile (~21%): 945 €
- Urlaubs-/Weihnachtsgeld (anteilig): 750 €
- Monatliche Personalkosten: 6.195 €
- Jährliche Personalkosten: 74.340 €
Schritt 2: Gemeinkosten zurechnen
Annahme: Gemeinkosten entsprechen 40% der Personalkosten:
- Gemeinkosten: 29.736 €/Jahr
- Gesamtkosten: 104.076 €/Jahr
Schritt 3: Produktive Stunden berechnen
- Jahresarbeitsstunden: 1.760 (220 Tage × 8 Stunden)
- Auslastungsquote: 75%
- Produktive Stunden: 1.320
Schritt 4: Stundensatz ermitteln
- Kosten pro Stunde: 104.076 € / 1.320 h = 78,85 €
- Plus 15% Gewinn: 78,85 € × 1,15 = 90,68 €
Netto-Stundensatz: rund 91 € (plus Mehrwertsteuer)
Nachkalkulation mit Zeiterfassung
Warum Nachkalkulation?
Die Vorkalkulation basiert auf Annahmen. Die Nachkalkulation zeigt die Realität:
- Wurde das Projektbudget eingehalten?
- Stimmt die angenommene Auslastung?
- Welche Projekte sind profitabel, welche nicht?
Regelmäßige Auswertung
Empfohlener Rhythmus:
- Wöchentlich: Projektfortschritt prüfen
- Monatlich: Auslastung und Profitabilität analysieren
- Quartalsweise: Stundensätze überprüfen
- Jährlich: Gesamtkalkulation anpassen
Kennzahlen für die Analyse
Wichtige Kennzahlen aus der Zeiterfassung:
- Effektiver Stundensatz pro Projekt
- Abweichung Soll/Ist
- Auslastungsquote pro Mitarbeiter
- Anteil unproduktiver Zeiten
Typische Kalkulationsfehler
Auslastung überschätzen
Der häufigste Fehler: Die Auslastung wird zu hoch angesetzt. Realistische Werte liegen selten über 80%.
Gemeinkosten unterschätzen
Versteckte Kosten werden oft vergessen:
- Software-Lizenzen
- Fortbildung
- Versicherungen
- Arbeitsplatzausstattung
Unproduktive Zeiten ignorieren
Akquise, Meetings und Administration kosten Zeit – diese muss eingepreist werden.
Keine Puffer einplanen
Projekte dauern meist länger als geplant. Ein Puffer von 10-20% ist realistisch.
Branchenspezifische Stundensätze
Orientierungswerte
| Branche | Typischer Stundensatz |
|---|---|
| Handwerk | 45-75 € |
| IT-Entwicklung | 80-150 € |
| Unternehmensberatung | 150-300 € |
| Grafikdesign | 60-120 € |
| Rechtsanwälte | 150-400 € |
Diese Werte dienen der Orientierung. Der eigene Stundensatz muss auf Basis der tatsächlichen Kosten kalkuliert werden.
Regionale Unterschiede
Die Stundensätze variieren regional erheblich:
- Großstädte: höhere Kosten, aber auch höhere erzielbarer Preise
- Ländliche Regionen: niedrigere Kosten, aber auch niedrigere Marktpreise
Projektzeiten im Blick
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Stundensatz vs. Pauschalpreis
Vor- und Nachteile
| Abrechnung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Stundensatz | Flexibel, transparent | Risiko beim Anbieter, Budgetunsicherheit |
| Pauschalpreis | Planbar für Kunden | Risiko bei Fehlkalkulation |
Zeiterfassung bei Pauschalpreisen
Auch bei Pauschalpreisen ist Zeiterfassung wichtig:
- Nachkalkulation der Profitabilität
- Basis für künftige Angebote
- Früherkennung von Budgetüberschreitungen
Häufige Fragen
Fazit
Ein fundierter Stundensatz basiert auf Daten, nicht auf Bauchgefühl. Die Zeiterfassung liefert die notwendige Grundlage: Sie zeigt die tatsächliche Auslastung, ermöglicht die Nachkalkulation und hilft, unprofitable Projekte zu identifizieren. Nur wer seine Zeiten erfasst, kann seinen Stundensatz realistisch kalkulieren – und wirtschaftlich arbeiten.
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