Zum Hauptinhalt springen

Zeiterfassung in der Produktion: Anforderungen und Lösungen

Zeiterfassung in der Produktion: Schichtbetrieb, Akkord, Maschinenzeiten. Anforderungen und Lösungen für Fertigungsbetriebe.

7 Min. Lesezeit
Produktionsmitarbeiter an der Stempeluhr

Zeiterfassung in der Produktion: Anforderungen und Lösungen

Produktion und Fertigung stellen besondere Anforderungen an die Zeiterfassung: Schichtbetrieb, verschiedene Kostenstellen, Maschinenzuordnung und robuste Hardware. Wie sieht eine gute Lösung aus?

Das Wichtigste in Kürze

  • Produktion erfordert oft stationäre Terminals (keine Smartphones)
  • Schichtübergabe muss nahtlos dokumentiert werden
  • Zuschläge für Nacht-/Wochenendarbeit automatisch berechnen
  • Maschinenbezogene Zeiterfassung für Kalkulation wichtig
  • Robuste Hardware für raue Umgebungen

Anforderungen in der Produktion

Typische Herausforderungen

AnforderungGrund
Stationäre TerminalsKeine privaten Smartphones am Arbeitsplatz
Robuste HardwareStaub, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen
Schnelle ErfassungKein Aufhalten am Schichtbeginn
SchichtmodelleWechselschicht, Nachtschicht, Wochenende
KostenstellenZuordnung zu Maschinen, Aufträgen
ZuschlägeNacht-, Sonntags-, Feiertagsarbeit

Besondere Gegebenheiten

Arbeitsumgebung:

  • Schmutz, Staub, Feuchtigkeit
  • Handschuhe (Touchscreen problematisch)
  • Lärm (akustische Signale unhörbar)
  • Keine PC-Arbeitsplätze

Arbeitsorganisation:

  • Schichtbetrieb (2-Schicht, 3-Schicht, Konti)
  • Akkordarbeit
  • Maschinenbindung
  • Teamarbeit

Hinweis

In der Produktion ist oft kein Smartphone erlaubt – aus Sicherheitsgründen oder wegen Ablenkungsrisiko. Stationäre Terminals sind daher Standard.

Erfassungsmethoden für die Produktion

RFID-Terminal

Funktionsweise: Chipkarte oder Schlüsselanhänger an Lesegerät halten.

Vorteile:

  • Sehr schnell (< 1 Sekunde)
  • Funktioniert mit Handschuhen
  • Robust
  • Günstige Transponder

Nachteile:

  • Karte kann vergessen werden
  • Übertragbar (Kollege stempelt für anderen)

Empfehlung: Standard für die meisten Produktionsumgebungen.

Biometrische Erfassung

Funktionsweise: Fingerabdruck oder Handvenenscanner.

Vorteile:

  • Nicht übertragbar
  • Keine Karte nötig
  • Hohe Sicherheit

Nachteile:

  • Hygiene-Bedenken
  • Datenschutz-Anforderungen hoch
  • Teurer
  • Probleme bei verschmutzten Händen

Empfehlung: Nur bei hohen Sicherheitsanforderungen und nach Einwilligung.

PIN-Eingabe

Funktionsweise: Persönliche PIN am Terminal eingeben.

Vorteile:

  • Keine Hardware für Mitarbeiter
  • Backup bei vergessener Karte

Nachteile:

  • Langsamer
  • PIN kann weitergegeben werden
  • Eingabefehler möglich

Empfehlung: Als Ergänzung zu RFID.

Kombinierte Systeme

Empfehlung für die Produktion:

  • Primär: RFID-Karte/Chip
  • Backup: PIN-Eingabe
  • Optional: Biometrie für sensible Bereiche

Hardware-Anforderungen

Terminal-Eigenschaften

EigenschaftAnforderung
SchutzklasseIP54 oder höher (staub-/spritzwassergeschützt)
Temperaturbereich-10°C bis +50°C
DisplayGut lesbar bei Sonnenlicht
BedienungGroße Tasten, mit Handschuhen nutzbar
RobustheitSchlagfest, kratzfestes Display

Platzierung

Empfehlung:

  • Am Eingang/Ausgang der Produktionshalle
  • Vor der Umkleide (Arbeitskleidung → Erfassung → Produktion)
  • Bei großen Hallen: Mehrere Terminals
  • Nicht im Durchzugsbereich (Staugefahr)

Anbindung

Optionen:

  • LAN (kabelgebunden, zuverlässig)
  • WLAN (flexibler, aber störanfällig)
  • Offline-fähig (Daten werden später synchronisiert)

Tipp

Investieren Sie in Industrieterminals. Consumer-Geräte halten der Produktionsumgebung oft nicht stand. Die Mehrkosten amortisieren sich durch längere Haltbarkeit.

Schichtbetrieb abbilden

Schichtmodelle

2-Schicht-Modell:

  • Frühschicht: 06:00-14:00 Uhr
  • Spätschicht: 14:00-22:00 Uhr

3-Schicht-Modell:

  • Frühschicht: 06:00-14:00 Uhr
  • Spätschicht: 14:00-22:00 Uhr
  • Nachtschicht: 22:00-06:00 Uhr

Konti-Schicht:

  • Durchgängige Produktion (24/7)
  • 4-Schicht- oder 5-Schicht-Modelle
  • Komplexe Wechselrhythmen

Schichtübergabe

Herausforderung: Nahtlose Übergabe, keine Lücken, keine Überlappungen.

Lösung:

  • Feste Übergabezeiten definieren
  • Toleranzfenster für Erfassung (z.B. 15 Minuten vor/nach Schichtbeginn)
  • Abweichungen automatisch markieren

Schichtzuschläge

Automatische Berechnung:

ZuschlagZeitraumTypischer Satz
Spätschichtzuschlag14:00-22:0010-15%
Nachtarbeitszuschlag22:00-06:0025-50%
SonntagszuschlagSonntag50%
FeiertagszuschlagFeiertag100-150%

Wichtig: System muss Zuschläge automatisch erkennen und berechnen.

Kostenstellen und Aufträge

Zuordnung der Arbeitszeit

Warum wichtig?

  • Nachkalkulation von Aufträgen
  • Kostenstellenrechnung
  • Produktivitätsanalyse
  • Preisgestaltung

Erfassungsoptionen

Option 1: Nur Anwesenheit

  • Einfach
  • Keine Zuordnung zu Aufträgen
  • Für kleine Betriebe ausreichend

Option 2: Kostenstelle bei Stempeln

  • Mitarbeiter wählt Kostenstelle am Terminal
  • Schnell, aber fehleranfällig

Option 3: Maschinenkopplung

  • Zeiterfassung an Maschine
  • Automatische Zuordnung
  • Sehr genau

Option 4: Auftragszeit nachträglich

  • Tägliche Zuordnung im Büro
  • Aufwändiger, aber flexibel

Maschinenzeit vs. Mitarbeiterzeit

Unterscheidung:

  • Mitarbeiterzeit: Anwesenheit des Mitarbeiters
  • Maschinenzeit: Laufzeit der Maschine
  • Rüstzeit: Vorbereitung der Maschine
  • Stillstandzeit: Maschine steht, Mitarbeiter anwesend

Für Kalkulation relevant: Alle Zeitarten getrennt erfassen.

Zeiterfassung und MES

Was ist MES?

Manufacturing Execution System: Software zur Steuerung und Überwachung der Produktion.

Integration

MES-Funktionen:

  • Auftragssteuerung
  • Maschinendaten
  • Qualitätssicherung
  • Produktionsplanung

Zeiterfassung im MES:

  • Automatische Zeitbuchung bei Auftragsstart
  • Zuordnung zu Kostenstellen
  • Maschinenlaufzeiten
  • Störungen dokumentieren

Schnittstelle: Separate Zeiterfassung kann per API mit MES verbunden werden.

Hinweis

Wenn Sie bereits ein MES nutzen, prüfen Sie, ob die integrierte Zeiterfassung ausreicht. Falls nicht, sollte die separate Zeiterfassungslösung eine Schnittstelle bieten.

Besondere Regelungen

Umkleidezeit

Frage: Ist das Anziehen der Arbeitskleidung Arbeitszeit?

Antwort (BAG): Ja, wenn:

  • Die Arbeitskleidung vorgeschrieben ist
  • Und im Betrieb an-/ausgezogen werden muss

Zeiterfassung: Terminal vor der Umkleide (Stempeln in Privatkleidung).

Pausenregelung

Gesetzlich:

  • Nach 6 Stunden: 30 Minuten Pause
  • Nach 9 Stunden: 45 Minuten Pause

In der Produktion:

  • Oft gestaffelte Pausen (nicht alle gleichzeitig)
  • Pausenraum außerhalb der Produktion
  • Pausenstempeln oder automatischer Abzug

Wochenend- und Feiertagsarbeit

Dokumentation:

  • Arbeit an Sonntagen/Feiertagen markieren
  • Ersatzruhetage planen und nachhalten
  • Max. 15 Sonntage/Jahr arbeitsfrei

Auswertungen für die Produktion

Wichtige Kennzahlen

KennzahlBerechnungNutzen
AnwesenheitsquoteIst-Anwesenheit / Soll-AnwesenheitPersonalplanung
ÜberstundenquoteÜberstunden / SollstundenKapazitätsplanung
ProduktivitätOutput / ArbeitsstundenEffizienz
SchichtauslastungBesetzte / Geplante StellenSchichtplanung

Reports

Täglich:

  • Anwesenheitsliste
  • Fehlende Buchungen
  • Abweichungen vom Plan

Wöchentlich:

  • Überstundenübersicht
  • Schichtzuschläge
  • Abteilungsvergleich

Monatlich:

  • Kostenstellenauswertung
  • Lohnvorbereitung
  • Arbeitszeitkonten

Implementierung

Schritt 1: Anforderungen klären

☐ Wie viele Terminals werden benötigt? ☐ Welche Erfassungsmethode (RFID, Biometrie)? ☐ Welche Schichtmodelle? ☐ Welche Kostenstellen/Aufträge? ☐ Integration mit anderen Systemen?

Schritt 2: Hardware beschaffen

☐ Terminals auswählen und bestellen ☐ Netzwerk-Anbindung planen ☐ Montage organisieren ☐ Chips/Karten für Mitarbeiter

Schritt 3: Software konfigurieren

☐ Schichtmodelle anlegen ☐ Zuschlagsregeln definieren ☐ Kostenstellen einrichten ☐ Benutzer und Berechtigungen

Schritt 4: Einführung

☐ Mitarbeiter informieren ☐ Schulung durchführen ☐ Pilotbetrieb starten ☐ Feedback einholen und anpassen

Häufige Fragen zur Produktions-Zeiterfassung

Industrieterminals mit Schutzklasse IP54 oder höher, die gegen Staub und Spritzwasser geschützt sind. Wichtig sind auch große Tasten (Handschuhe), ein gut lesbares Display und RFID-Leser. Vermeiden Sie Consumer-Tablets – sie sind für die raue Produktionsumgebung nicht geeignet.
Die Zeiterfassungssoftware muss Schichtzeiten erkennen und Zuschläge automatisch berechnen. Definieren Sie die Zuschlagsregeln (Nacht: 22-6 Uhr = 25%) und hinterlegen Sie Feiertage. Die Software berechnet dann die Zuschläge für die Lohnabrechnung.
Ja, wenn die Arbeitskleidung vorgeschrieben ist und im Betrieb angezogen werden muss. Das BAG hat dies mehrfach bestätigt. Platzieren Sie das Stempelterminal vor der Umkleide, damit die Umkleidezeit erfasst wird.
RFID-Chips sind grundsätzlich übertragbar – ein Kollege könnte für einen anderen stempeln. Gegenmaßnahmen: Stichprobenkontrollen, Videoüberwachung im Stempelbereich (mit Hinweis), biometrische Erfassung für sensible Bereiche. Wichtig: Missbrauch kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.

Fazit

Zeiterfassung in der Produktion erfordert robuste Hardware, durchdachte Prozesse und Software, die Schichtmodelle und Zuschläge beherrscht. Mit der richtigen Lösung gewinnen Sie Transparenz über Arbeitszeiten, Kosten und Produktivität – und erfüllen gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen.

Zeiterfassung für die Produktion

MyTimeTracker bietet robuste Terminal-Lösungen, Schichtmanagement und automatische Zuschlagsberechnung. Optimiert für Fertigungsbetriebe.

  • Industrie-Terminals
  • Schichtmodelle
  • Zuschlagsberechnung
Kostenlos testen

Zeiterfassung starten

14 Tage kostenlos testen

Kostenlos testen

Zeiterfassung einfach & gesetzeskonform

Starten Sie jetzt mit MyTimeTracker und erfüllen Sie alle gesetzlichen Anforderungen. 14 Tage kostenlos testen, keine Kreditkarte erforderlich.

  • Sofort einsatzbereit
  • DSGVO-konform
  • Keine Einrichtung nötig
Kostenlos testen