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title: "Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst planen"
description: "Rufbereitschaft vs. Bereitschaftsdienst: Unterschiede, rechtliche Regelungen und Planungstipps."
author: "Redaktion"
category: "dienstplanung"
language: "de-DE"
published_at: "2026-01-22"
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keywords: ["Rufbereitschaft planen","Bereitschaftsdienst","Bereitschaft Arbeitszeit","On-Call Planung"]
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# Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst planen

Bereitschaft ist nicht gleich Bereitschaft – die Unterschiede haben große Auswirkungen.

## Das Wichtigste in Kürze

- Bereitschaftsdienst zählt als Arbeitszeit, Rufbereitschaft nicht
- Vergütung unterschiedlich geregelt
- Ruhezeiten beachten bei Einsätzen
- Faire Verteilung im Team wichtig
- Dokumentation für Abrechnung nötig

> **Rechtlicher Hinweis:**
>
> Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

## Der Unterschied

### Definitionen

Was ist was:

| Art | Aufenthaltsort | Arbeitszeit |
|----|----------------|-------------|
| Bereitschaftsdienst | Am Arbeitsort oder nah | Voll Arbeitszeit |
| Rufbereitschaft | Frei wählbar | Nur bei Einsatz |
| Arbeitsbereitschaft | Am Arbeitsplatz | Voll Arbeitszeit |

### Praktisch bedeutet das

Konsequenzen:

- **Bereitschaftsdienst** – Im Krankenhaus warten
- Zählt komplett als Arbeitszeit
- Höchstarbeitszeit beachten
- Volle Ruhezeit danach
- **Rufbereitschaft** – Zu Hause erreichbar
- Nur Einsatz = Arbeitszeit
- Mehr Flexibilität
- Ruhezeit nur bei Einsatz unterbrochen
- **Arbeitsbereitschaft** – Am Arbeitsplatz anwesend
- Wachsame Achtsamkeit
- Vollständig Arbeitszeit

## Rechtliche Grundlagen

### Arbeitszeitgesetz

Was gilt:

| Regelung | Bereitschaftsdienst | Rufbereitschaft |
|----------|--------------------|-----------------:|
| Max. Arbeitszeit | Zählt dazu | Nur Einsatz |
| Ruhezeit 11h | Muss eingehalten werden | Bei Einsatz neu |
| Sonntags-/Feiertagsruhe | Gilt | Nur bei Einsatz |
| Tarifvertrag | Kann abweichen | Kann abweichen |

### EuGH-Rechtsprechung

Wichtige Urteile:

- **SIMAP-Urteil (2000)** – Bereitschaftsdienst = Arbeitszeit
- **Matzak-Urteil (2018)** – Auch Heimbereitschaft kann Arbeitszeit sein
- **Entscheidende Kriterien** – Reaktionszeit
- Einschränkungen
- Dienstkleidung?
- **Nationale Umsetzung** – Deutschland folgt überwiegend

## Vergütung

### Unterschiedliche Modelle

Typische Regelungen:

| Art | Vergütung |
|-----|-----------|
| Bereitschaftsdienst | 60-100% des Stundenlohns |
| Rufbereitschaft | Pauschale (z.B. 30-50€/Tag) |
| Rufbereitschaft + Einsatz | Pauschale + Einsatzstunden voll |
| Nacht/Wochenende | Oft Zuschläge |

### Tarifverträge

Wo geregelt:

- **TVöD/TV-L** – Stufen je nach Belastung
- **Pflege-Tarife** – Eigene Bereitschaftsregeln
- **Industrie** – Branchenspezifisch
- **Ohne Tarif** – Arbeitsvertrag entscheidet
- **Mindestlohn** – Bei Einsatz immer beachten

## Planung

### Bereitschaftsdienstplan

Was beachten:

| Aspekt | Umsetzung |
|--------|-----------|
| Höchstarbeitszeit | Mit Bereitschaft berechnen |
| Ruhezeiten | 11 Stunden danach |
| Rotation | Faire Verteilung |
| Vorlauf | Mindestens 4 Wochen vorher |
| Tausch | Regelung ermöglichen |

### Rufbereitschaftsplan

Besonderheiten:

- **Wochenblöcke** – Oft Mo-So einem MA
- **Rotation** – Regelmäßiger Wechsel
- **Reaktionszeit** – Klar definieren (z.B. 30 Min.)
- **Eskalation** – Wenn nicht erreichbar
- **Qualifikation** – Wer kann was abdecken
- **Ausgleich** – Erholung nach häufiger Bereitschaft

## Zeiterfassung

### Was dokumentieren

Bei Bereitschaft:

| Element | Erfassung |
|---------|-----------|
| Bereitschaftszeit | Beginn und Ende |
| Einsätze | Genauer Zeitpunkt |
| Einsatzdauer | Start bis Ende |
| Einsatzgrund | Kurze Beschreibung |
| Nachruhe | Wurde eingehalten? |

### Praktische Umsetzung

Methoden:

- **App-basiert** – Einsatz per Klick starten
- **Telefonbasiert** – Rückruf = Einsatzbeginn
- **Nacherfassung** – Am nächsten Tag eintragen
- **Automatisch** – Bei Alarm/Ticket-System
- **Kombination** – Je nach Einsatzart

## Häufige Fragen

### Zählt die Anfahrt zum Einsatz als Arbeitszeit?

Ja, bei Rufbereitschaft zählt die Anfahrt zum Einsatzort zur Arbeitszeit. Sie beginnt, wenn Sie losfahren müssen. Das ist wichtig für die Berechnung der Höchstarbeitszeit und Ruhezeit. Dokumentieren Sie den Fahrtbeginn.

### Kann ich Rufbereitschaft ablehnen?

Das hängt vom Arbeitsvertrag ab. Ist Rufbereitschaft vereinbart, können Sie sie nicht einseitig ablehnen. Bei konkreten Gründen (Kinderbetreuung, wichtiger Termin) kann im Einzelfall getauscht werden. Pauschal ablehnen ist meist nicht möglich.

### Was wenn ich in der Rufbereitschaft nicht erreichbar war?

Das kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, wenn es vermeidbar war. Technische Probleme (Handyakku leer) sollten Sie vermeiden. Bei unverschuldeter Nichterreichbarkeit (Funkloch) dokumentieren Sie den Grund. Wiederholte Nichterreichbarkeit ist problematisch.

### Wie viel Rufbereitschaft ist zumutbar?

Gesetzliche Grenzen gibt es kaum, entscheidend ist der Arbeitsvertrag/Tarifvertrag. Dauernde Rufbereitschaft ohne Ausgleich kann unzumutbar sein. Gerichte haben bei extremer Belastung zugunsten der Arbeitnehmer entschieden. Eine faire Rotation ist ratsam.

### Unterbricht ein Einsatz die Ruhezeit komplett?

Ja, bei einem Einsatz während der Ruhezeit beginnt die 11-stündige Ruhezeit danach von vorne. Ein kurzer Anruf kann unterschiedlich bewertet werden – manche Tarifverträge haben Bagatellgrenzen. Im Zweifel: Neue Ruhezeit beginnt.

## Fazit

Die Unterscheidung zwischen Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft hat erhebliche Auswirkungen auf Arbeitszeit, Vergütung und Ruhezeiten. Bereitschaftsdienst zählt voll als Arbeitszeit, Rufbereitschaft nur bei Einsatz. Die Planung muss rechtliche Vorgaben und faire Verteilung im Team berücksichtigen. Eine saubere Dokumentation ist für die korrekte Abrechnung und den Nachweis der Ruhezeiteninhaltung unerlässlich.

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