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title: "Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)"
description: "BEM: Pflichten des Arbeitgebers, Ablauf des BEM-Gesprächs und Rechte der Mitarbeiter bei längerer Krankheit."
author: "Redaktion"
category: "abwesenheiten"
language: "de-DE"
published_at: "2026-01-22"
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keywords: ["Betriebliches Eingliederungsmanagement","BEM Gespräch","Wiedereingliederung","BEM Pflicht","BEM Ablauf"]
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# Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Wenn Mitarbeiter länger oder häufiger krank sind, muss der Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten. Was bedeutet das für beide Seiten?

## Das Wichtigste in Kürze

- BEM ist Pflicht für alle Arbeitgeber ab dem ersten Mitarbeiter
- Auslöser: Mehr als 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit in 12 Monaten
- Teilnahme für Mitarbeiter freiwillig
- Ziel: Arbeitsunfähigkeit überwinden, erneuter Krankheit vorbeugen
- Fehlende BEM-Durchführung kann Kündigung erschweren

> **Rechtlicher Hinweis:**
>
> Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

## Wann ist ein BEM durchzuführen?

### Gesetzliche Voraussetzungen

Das BEM ist vorgeschrieben nach § 167 Abs. 2 SGB IX:

| Kriterium | Anforderung |
|-----------|-------------|
| Arbeitsunfähigkeit | Mehr als 6 Wochen |
| Zeitraum | Innerhalb von 12 Monaten |
| Häufigkeit | Zusammenhängend oder wiederholt |
| Unternehmensgröße | Alle Arbeitgeber |

### Berechnung der 6 Wochen

Die 6 Wochen können sich addieren:

- **Januar: 2 Wochen krank**
- **März: 1 Woche krank**
- **Juni: 2 Wochen krank**
- **Oktober: 2 Wochen krank**
- **Summe: 7 Wochen → BEM-Pflicht**

### Wer zählt mit?

Das BEM gilt für alle Arbeitnehmer:

- Vollzeit und Teilzeit
- Befristet und unbefristet
- Auszubildende
- Schwerbehinderte (hier besonders wichtig)
- Auch leitende Angestellte

## Pflichten des Arbeitgebers

### BEM-Angebot

Der Arbeitgeber muss:

- Schriftlich zum BEM einladen
- Über Ziele und Ablauf informieren
- Datenschutz erläutern
- Freiwilligkeit betonen
- Auf Beteiligung der Interessenvertretung hinweisen

### Inhalt der Einladung

| Element | Muss enthalten sein |
|---------|---------------------|
| Anlass | 6-Wochen-Grenze überschritten |
| Ziel | Arbeitsunfähigkeit überwinden |
| Freiwilligkeit | Ausdrücklich betonen |
| Datenschutz | Was passiert mit den Daten? |
| Beteiligte | Wer nimmt teil? |

### Dokumentation

Der Arbeitgeber muss dokumentieren:

- Dass BEM angeboten wurde
- Ob Mitarbeiter zugestimmt oder abgelehnt hat
- Bei Ablehnung: Schriftliche Bestätigung empfohlen
- Verlauf und Ergebnisse (bei Zustimmung)

## Ablauf des BEM-Gesprächs

### Vorbereitung

Vor dem Gespräch:

- Krankheitstage zusammenstellen (ohne Diagnose!)
- Arbeitsplatzanalyse vorbereiten
- Mögliche Maßnahmen vorüberlegen
- Raum und Zeit festlegen (ruhig, vertraulich)

### Teilnehmer

Wer nimmt am BEM-Gespräch teil?

| Teilnehmer | Pflicht/Optional |
|------------|------------------|
| Arbeitgeber/Vertreter | Pflicht |
| Betroffener Mitarbeiter | Freiwillig |
| Betriebsrat | Auf Wunsch des MA |
| Schwerbehindertenvertretung | Bei Schwerbehinderten |
| Betriebsarzt | Optional/empfohlen |
| Vertrauensperson | Auf Wunsch des MA |

### Gesprächsführung

Das Gespräch sollte:

- Wertschätzend sein
- Nicht nach der Diagnose fragen
- Auf Lösungen fokussieren
- Mitarbeiter einbeziehen
- Ergebnisoffen sein

### Typischer Ablauf

- **1. Begrüßung, Atmosphäre schaffen**
- **2. Ziel und Ablauf erklären**
- **3. Situation aus Sicht des MA**
- **4. Gemeinsame Analyse**
- **5. Mögliche Maßnahmen besprechen**
- **6. Vereinbarungen treffen**
- **7. Folgetermin vereinbaren**

## Mögliche Maßnahmen

### Arbeitsplatzgestaltung

| Maßnahme | Beispiel |
|----------|----------|
| Ergonomie | Höhenverstellbarer Schreibtisch |
| Arbeitsmittel | Spezielle Maus bei Sehnenproblemen |
| Umgebung | Ruhigerer Arbeitsplatz |
| Belastung | Weniger Heben und Tragen |

### Arbeitsorganisation

- Flexible Arbeitszeiten
- Reduzierte Stunden (vorübergehend)
- Andere Tätigkeiten
- Home-Office-Möglichkeit
- Stufenweise Wiedereingliederung

### Qualifizierung

- Umschulung innerhalb des Betriebs
- Weiterbildung für neue Aufgaben
- Schulungen zu ergonomischem Arbeiten

### Externe Unterstützung

- Betriebsarzt einschalten
- Reha-Träger kontaktieren
- Integrationsamt bei Schwerbehinderten
- Berufsgenossenschaft

## Rechte des Mitarbeiters

### Freiwilligkeit

Der Mitarbeiter kann:

- Das BEM komplett ablehnen
- Einzelne Beteiligte ausschließen
- Einzelne Maßnahmen ablehnen
- Das BEM jederzeit abbrechen

### Datenschutz

Was der Mitarbeiter nicht mitteilen muss:

- Die konkrete Diagnose
- Details zur Erkrankung
- Ärztliche Unterlagen
- Private Umstände

### Vertrauensperson

Der Mitarbeiter darf eine Vertrauensperson mitbringen:

- Betriebsrat
- Anwalt
- Familienmitglied
- Andere Person seines Vertrauens

## BEM und Kündigung

### Bedeutung für Kündigungsschutz

Fehlendes BEM vor einer Kündigung:

- Kündigung ist nicht automatisch unwirksam
- Aber: Arbeitgeber muss beweisen, dass BEM nichts gebracht hätte
- Gerichte legen strenge Maßstäbe an
- Empfehlung: Immer BEM durchführen vor krankheitsbedingter Kündigung

### Was Gerichte prüfen

| Prüfpunkt | Bedeutung |
|-----------|-----------|
| BEM angeboten? | Schriftlich, vollständig? |
| Ordnungsgemäß? | Alle Informationen enthalten? |
| Maßnahmen geprüft? | Ernsthaft nach Lösungen gesucht? |
| Mitarbeiter einbezogen? | Vorschläge gehört? |

### Ablehnung durch Mitarbeiter

Wenn der Mitarbeiter das BEM ablehnt:

- Dokumentieren, dass Angebot erfolgte
- Ablehnung schriftlich bestätigen lassen
- Kündigung danach einfacher möglich
- Aber: Trotzdem sorgfältig prüfen

## Datenschutz im BEM

### Grundsätze

| Regel | Umsetzung |
|-------|-----------|
| Zweckbindung | Nur für BEM verwenden |
| Datensparsamkeit | Nur Notwendiges erheben |
| Einwilligung | Für jeden Datenaustausch |
| Löschung | Nach Abschluss/Frist |

### BEM-Akte

Die BEM-Akte:

- Getrennt von Personalakte führen
- Nur Berechtigte haben Zugang
- Nach Abschluss aufbewahren (3 Jahre empfohlen)
- Danach vernichten

### Was nicht in die Personalakte gehört

- Diagnosen und Krankheitsbilder
- Ärztliche Atteste aus dem BEM
- Gesprächsnotizen mit Gesundheitsdaten
- Empfehlungen des Betriebsarztes (ohne Zustimmung)

## Stufenweise Wiedereingliederung

### Hamburger Modell

Eine häufige BEM-Maßnahme:

- Mitarbeiter arbeitet nach langer Krankheit wieder
- Stundenweise Steigerung über Wochen
- Weiterhin krankgeschrieben
- Krankenkasse zahlt weiter Krankengeld

### Typischer Plan

- **Woche 1-2: 2 Stunden täglich**
- **Woche 3-4: 4 Stunden täglich**
- **Woche 5-6: 6 Stunden täglich**
- **Ab Woche 7: Volle Arbeitszeit**

### Zeiterfassung bei Wiedereingliederung

Besonderheiten:

- Tatsächliche Anwesenheit erfassen
- Soll-Zeit laut Plan, nicht Arbeitsvertrag
- Keine Überstunden möglich
- Abbruch möglich bei Überforderung

## Häufige Fragen

### Muss ich am BEM teilnehmen?

Nein, die Teilnahme ist freiwillig. Sie können das BEM ablehnen, ohne direkte Nachteile. Allerdings kann eine Ablehnung es dem Arbeitgeber erleichtern, später eine krankheitsbedingte Kündigung durchzusetzen.

### Muss ich dem Arbeitgeber meine Diagnose mitteilen?

Nein, Sie müssen die konkrete Diagnose nicht nennen. Sie können aber über Einschränkungen sprechen, die Ihre Arbeit betreffen – etwa dass langes Stehen problematisch ist, ohne den medizinischen Grund zu nennen.

### Was passiert, wenn der Arbeitgeber kein BEM anbietet?

Der Arbeitgeber verstößt gegen seine gesetzliche Pflicht. Bei einer späteren krankheitsbedingten Kündigung wird es für ihn schwerer, diese vor Gericht durchzusetzen. Ein direkter Schadenersatzanspruch besteht jedoch nicht.

### Kann ich den Betriebsrat ausschließen?

Ja, Sie können frei entscheiden, wer am BEM-Gespräch teilnimmt. Wenn Sie den Betriebsrat nicht dabei haben möchten, müssen Sie dies dem Arbeitgeber mitteilen.

### Wie oft muss ein BEM durchgeführt werden?

Jedes Mal, wenn Sie innerhalb von 12 Monaten mehr als 6 Wochen arbeitsunfähig sind, muss ein neues BEM angeboten werden – auch wenn bereits früher eines durchgeführt wurde.

## Fazit

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement ist eine Chance für beide Seiten: Arbeitgeber können wertvolle Mitarbeiter halten, Mitarbeiter erhalten Unterstützung bei der Rückkehr in den Job. Die Teilnahme ist freiwillig, aber oft lohnenswert. Wichtig ist ein offenes Gespräch über mögliche Maßnahmen – ohne dass der Mitarbeiter seine Diagnose preisgeben muss.

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